Einführung in die Hörgeschädigtenpädagogik

von Annette Leonhardt

3. über­ar­bei­te­te und erwei­ter­te Auf­la­ge
Ernst Rein­hardt Ver­lag, Mün­chen, Basel, 2010, 320 Sei­ten

Dies Buch ist leit lan­gem ein Stan­dard­werk. Die ers­te und zwei­te Auf­la­ge wur­den emp­feh­lend bespro­chen (RKGS 49/2000, 29 – 31 und 55/2003, 28 ff). Nun liegt nach acht wei­te­ren Jah­ren die drit­te Auf­la­ge vor. Unter den inzwi­schen ein­ge­tre­te­nen Ver­än­de­run­gen nennt die Autorin „die flä­chen­de­cken­de Ein­füh­rung eines Hör­s­cree­nings für alle Neu­ge­bo­re­nen, die Umstruk­tu­rie­rung der ehe­ma­li­gen Schu­len für gehör­lo­se und Schu­len für Schwer­hö­ri­ge zu Schu­len für Hör­ge­schä­dig­te (För­der­zen­tren, För­der­schwer­punkt Hören); die fort­lau­fen­de Ent­wick­lung bei den tech­ni­schen Hör­hil­fen (digi­ta­le Hör­ge­rä­te, Coch­lea Implan­ta­te), die erwei­ter­te gesell­schaft­li­che Akzep­tanz (und Erfor­schung) der Gebär­den­spra­che und (…) die Erfor­der­nis­se, die sich aus der inzwi­schen auch von der Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land rati­fi­zier­ten UN-Konvention über die Rech­te der Men­schen mit Behin­de­run­gen erge­ben“ (8). Der Cha­rak­ter des ein­füh­ren­den Lehr­bu­ches wur­de davon nicht berührt. Der Umfang wuchs unwe­sent­lich. Geblie­ben sind auch die Über­sicht­lich­keit durch Anwen­dung von Sym­bo­len, sowie die Auf­ga­ben, die nach Durch­ar­bei­tung eines Kapi­tels die Lern­kon­trol­le ermög­li­chen.

Der Fort­gang der Dis­kus­si­on macht sich in allen Kapi­teln durch z. T. tief­grei­fen­de redak­tio­nel­le Ver­än­de­run­gen bemerk­bar. Neu auf­ge­nom­men wur­den Kin­der mit „audi­tiven Verarbeitungs- und Wahr­neh­mungs­stö­run­gen (AVWS)“ (51.56.96 – 98). Neu geschrie­ben wur­de das Kapi­tel über Audio­me­tri­sche Dia­gnos­tik. Die im Vor­wort ange­spro­che­nen Ver­än­de­run­gen füh­ren zu Umstel­lun­gen und z. T. weit­ge­hen­der Neu­fas­sung der frü­he­ren Kapi­tel 6 – 10. Sie lau­ten jetzt: 6. Hör­ge­rä­te; 7. Das Coch­lea Implan­tat; 8. Laut­spra­che; 9. Gebär­den­spra­che und Gebär­den­be­we­gung; 10. Spe­zi­el­le Insti­tu­tio­nen und Maß­nah­men für Erzie­hung Bil­dung und Erzie­hung in inte­gra­ti­ven Set­tings (aus 10. aus­ge­glie­dert und erheb­lich erwei­tert). Das neue Kapi­tel über die Laut­spra­che doku­men­tiert, dass sie nicht mehr selbst­ver­ständ­lich die gesam­te Hör­ge­schä­dig­ten­päd­ago­gik reprä­sen­tiert, son­dern auf einer Stu­fe neben der Gebär­den­be­we­gung steht, die ihren exotisch-verstörenden Cha­rak­ter ver­lo­ren hat. Das päd­ago­gi­sche Feld samt dazu­ge­hö­ri­gen tech­ni­schen Hil­fen wur­de so neu struk­tu­riert. Dadurch ändern sich auch die Auf­ga­ben der Bil­dungs­in­sti­tu­tio­nen, die jetzt erst am Schluss ange­führt wer­den (Kapi­tel 10 und 11). Es fol­gen die Kapi­tel 12. Beson­de­re Bildungs- und Erzie­hungs­auf­ga­ben. 13. Bedeu­tung und Auf­ga­ben­fel­der der Früh­för­de­rung; 14. Jugend- und Erwach­se­nen­al­ter; 15. Über­blick über die Geschich­te der Hör­ge­schä­dig­ten­päd­ago­gik (bis zur Gegen­wart). Zu die­sem Kapi­tel eini­ge Hin­wei­se: S. 224, Zei­le 2: der Kai­ser heißt Jus­ti­ni­an; S. 240, Zei­le 18 v.u.: lies „1860er“; S.245, Anm. 5: 1886 ist das Todes­jahr, so Schu­mann (1940) 415; S. 258, Zei­le 24 lies „Dres­den 1911“ (1915) wur­de die Schu­le vom Minis­te­ri­um für selb­stän­dig erklärt). Ein Anhang bie­tet u.a. Glos­sar, Lite­ra­tur­ver­zeich­nis und Adres­sen (die ESiD fehlt!)

Annet­te Leon­hardts „Ein­füh­rung“ ist auch in der jüngs­ten Auf­la­ge auf dem neu­es­ten Stand, obwohl die Ver­än­de­run­gen in den letz­ten Jah­ren „rasant“ (8) waren. So soll­ten selbst Besit­zer einer älte­ren Auf­la­ge eine Neu­an­schaf­fung in Erwä­gung zie­hen. Das Geld wäre auch im Blick auf die Dis­kus­si­on über die Zukunft von Gehörlosen- und Schwer­hö­ri­gen­seel­sor­ge gut ange­legt.

Diet­fried Gewalt