Zwischen Klischee und Selbstironie
Kulinarische Turbulenzen und menschliche Abgründe: In ihrem Roman Gruß aus der Küche nimmt uns die Bestsellerautorin Ingrid Noll mit hinter die Kulissen des „Aubergine“. Das beliebte vegetarische Lokal wurde von der mutigen Chefin Irma aus dem alten Gasthaus „Zum Hirschen“ zum Leben erweckt. Es wird zum Schauplatz einer feinsinnigen und humorvollen Kriminalgeschichte.
Irma ist eine kreative, tatkräftige Wirtin, die ihren bunt zusammengewürfelten Betrieb zusammenhalten muss: Lucy ist eine 17-jährige Schulverweigerin und arbeitet als Mädchen für alles. Ihre Missgeschicke und die die anderen bringen sie regelmäßig zum Lachen. Josch, ein ‚Mann von Welt‘, ist Kellner, Manager und ein alter Schwerenöter zugleich. Nicht zu vergessen Nicole, die Schnibbelhilfe, ist die Vertraute der Besitzerin, die immer für ein Schwätzchen zu haben ist.
Besonders ans Herz gewachsen ist mir der 80-jährige Vinzent. Als ‚Gemüsemann‘ sitzt er Tag für Tag in der Küche, schnippelt Möhren, Lauch sowie Zucchini – und wird von seinen Kolleginnen und Kollegen masslos unterschätzt. Weil sein Umfeld ihn für fast taub hält, sprechen Angestellte und Gäste in seiner Gegenwart völlig ungeniert. Vinzent schweigt, beobachtet und wartet ab – denn als erfahrener, alter Fuchs weiß er genau, wie er sein exklusives Wissen im richtigen Moment einsetzen kann …
Ein wunderbar unterhaltsamer Roman über eine ungewöhnliche Küchengemeinschaft. Beim Lesen ahnt man, was Ingrid Noll amüsiert bei einer Lesung zum Besten gab: Dass sie dieser Figur ihr eigenes Hörgerät „ausgeliehen“ habe.
304 Seiten, erschienen am 21. Februar 2024 im Diogenes Verlag
978-3-257-07277-8
26.00 Euro
Auch als Hörbuch erhältlich
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