Fragen & Antworten

Antworten auf einen Blick

Wer schwerhörig ist hat meist viele Fragen. Einige davon finden Sie hoffentlich hier beantwortet. Dazu gibt es einige kurze, weniger als 5 Minuten lange Videos, die verschiedene Aspekte von Schwerhörigkeit beleuchten. Ausführliche Informationen zu einigen Themen finden Sie im Downloadbereich und weitere Links am Ende dieser Seite.

Ca. 16 Millionen Menschen in Deutschland sind schwerhörig, also rund jede 5. Person. Das reicht von leichtgradig schwerhörig über eine mittelgradige Schwerhörigkeit bis hin zur völligen Ertaubung. Allen diesen Menschen gemeinsam ist, dass sie fast ausschließlich lautsprachlich kommunizieren. Die Gebärdensprache gehörloser Menschen ist ihnen fremd.

Schwerhörige Menschen gibt es in jeder Altersstufe, der zahlenmäßig größte Teil davon sind Menschen über 60 Jahre. Sie machen ca. 80% aller Schwerhörigen aus. Aufgrund dieser Altersstruktur wird geschätzt, dass mehr als ein Drittel der aktiven Kirchengemeindeglieder zu diesem Personenkreis zählen. Können sie akustisch Unterhaltungen oder der Predigt nicht mehr folgen, werden sie sich irgendwann zurückziehen, viele vereinsamen. Darum ist es für uns als Kirche dringend nötig, Schwerhörigkeit stärker zu beachten und Maßnahmen zu ergreifen, die diesen Menschen eine gleichberechtigte Teilnahme ermöglicht. Eine wichtige Ansprechadresse sowie Informationen darüber was Sie tun können und welche Hilfen es gibt, finden Sie hier.

Großes Fragezeichen aus Stein vor einer Kirche, symbolisiert Fragen & Antworten für schwerhörige Men.

Teilhabe ist möglich - Veranstaltungen barrierefrei gestalten

Laut UN-Behindertenrechtskonvention haben Menschen mit Behinderungen das Recht auf gleichberechtigte soziale und kulturelle Teilhabe. Dazu braucht es aber geeignete Maßnahmen der öffentlichen und privaten Institutionen, die dies auch gewährleisten. 

Sie möchten Ihre Veranstaltung(en) so gestalten, dass auch Schwerhörige barrierefrei teilnehmen können?
Hier finden Sie wertvolle Anregungen und Tipps für die Planung und Durchführung. Die Broschüre ist in im Rahmen eines Projektes im Erasmus+-Programms entstanden und wurde mit finanziellen Mitteln aus der EU gefördert.

Akzeptanz von Höranlagen bei Menschen verschiedener Altersstufen
Akzeptanz von Höranlagen bei Menschen verschiedener Altersstufen

Man geht davon aus, dass etwa 20% der Bevölkerung in Deutschland schwerhörig sind. Davon sind:

  • weniger als 1% seit der Kindheit schwerhörig
  • ca. 40% haben die Schwerhörigkeit im Erwerbstätigen-Alter erworben
  • ca. 60% sind erst im Rentenalter als schwerhörig diagnostiziert worden

Diese Aufstellung zeigt, dass ältere Menschen bei Schwerhörigkeit die größte Gruppe darstellen: ca. 80% der Schwerhörigen befinden sich im Rentenalter (ca. 20% waren es schon vorher, 60% sind erst im Rentenalter diagnostiziert worden).

Für die Akzeptanz von Schwerhörigkeit und erst recht von Höranlagen macht es einen großen Unterschied, wann im Leben ein Mensch schwerhörig geworden ist oder als solcher diagnostiziert wurde.

Gruppe 1: Die seit der Kindheit schwerhörigen Menschen

Sie sind die kleinste Gruppe (weniger als 1% der Schwerhörigen), aber die aktivste, und sie sind diejenigen, die deutlich als schwerhörig in Erscheinung treten. Für sie ist Schwerhörigkeit normal. Sie waren meist nie guthörend. Bis auf die Zeit der Pubertät ist für sie das Tragen eines Hörgerätes selbstverständlich und sie verstecken daher ihre Schwerhörigkeit auch gar nicht. Oft sind sie (oder waren sie) in Schwerhörigen-Vereinen, waren oft auf der Schwerhörigen-Schule und sind daher vernetzt. Oft sind auch die Ehepartner*in und die Freund*innen schwerhörig. Sie bewegen sich in 2 Welten, der schwerhörigen und der guthörenden.

Mit Technik haben sie seit ihrer Kindheit zu tun und sehen sie meist sehr positiv, manchmal auch unkritisch. Ein Smartphone/ Handy ist (fast) selbstverständlich, weil sie über SMS oder WhatsApp kommunizieren können, ohne hören zu müssen.

Gruppe 2: Menschen, die im Erwerbstätigenalter schwerhörig wurden

Für sie ist ihr Leben oft eingeteilt in ein Vorher und ein Nachher, z.B. durch Hörsturz, Unfall etc. Vorher, das ist das selbstverständliche Hören, das Leben in der guthörenden Welt. Nachher, das ist die Katastrophe, die einhergeht mit Verlust des (selbstverständlichen) Hörens, mit Lebenskrisen wie Zukunftsangst, Verzweiflung, evtl. Wechsel der Arbeitsstelle, manchmal Suizidgedanken und Trennung von Ehepartnern oder Freundeskreis. Dennoch liegt das Leben noch vor ihnen, sie müssen sich mit der Schwerhörigkeit früher oder später arrangieren, denn Familie, Alltag, Berufstätigkeit, gehen ja weiter. Hörsysteme (Hörgerät, Cochlea Implantat) werden angeschafft und meist auch getragen. Weitere persönliche Technik, wie externes Mikrofon oder spezielles Telefon wird für die Berufstätigkeit gebraucht und macht die Schwerhörigkeit in diesem Bereich sichtbar.

Neue Technologien stellen für diese Gruppe oft die Verheißung dar, dass es besser wird, dass sie wieder (annähernd) guthörend werden können. Die Affinität zur Technik, zur Smartphone-Nutzung oder wie stark der schwerhörige Mensch die Schwerhörigkeit zeigt, das hängt hier aber auch sehr stark davon ab, ob es sich um einen Mann oder eine Frau handelt, sowie um Art der Berufstätigkeit. Diese Gruppe ist in der Akzeptanz und Nutzung von Technik sehr divers.

Gruppe 3: die im Rentenalter schwerhörig gewordenen

In dieser Gruppe sind Menschen in der Regel schon lange schwerhörig, bevor das erste Hörgerät angeschafft wird. Die Schwerhörigkeit stellt sich schleichend ein und wird oft eher vom Umfeld, als von den Betroffenen selber bemerkt. Ahnen sie, dass sie schwerhörig sind, wird dies vor sich selbst und vor anderen versteckt. Man fürchtet, für alt und dement gehalten zu werden. Typisch für diese Gruppe ist, dass sie sich selbst zurückziehen. Situationen, in denen sie schlecht verstehen (die für sie anstrengend und emotional schwer verkraftbar sind) werden gemieden. Durch zunehmende Isolierung und Einsamkeit kommt es vermehrt zu Depressionen und suizidalen Gedanken und Handlungen. Ihr Thema ist die Resignation. Schwerhörigkeit reiht sich ein in eine Gruppe anderer Verluste gesundheitlicher Art und wird als ein (weiterer) Beleg dafür gesehen, dass das Leben seinem Ende zugeht. Viele von ihnen bleiben in der Trauerphase über den Hörverlust stecken. Schwerhörigkeit wird oft sogar bis zuletzt verdrängt.

Ihr Verhältnis zur Technik ist oft mit Angst besetzt. Das Smartphone oder Handy, das nur ein Teil von ihnen nutzt, ist selten auf dem neuesten Stand, sondern das abgelegte der Enkelkinder. Wenn überhaupt, nutzen sie es als Notfalltelefon, zum Telefonieren oder die (vom Enkel installierte) WhatsApp-Funktion. In höherem Alter kommen dann zudem noch mangelnde Fingerfertigkeit, schlechtes Sehen und allgemeine Gebrechlichkeit dazu.

Was dies für die Akzeptanz von Höranlagen bedeutet

Schätzungsweise mehr als 2/3 der Schwerhörigen ist nicht technikaffin. Zudem schämen sie sich für ihre Schwerhörigkeit und lehnen daher alles ab, was sie als schwerhörig kennzeichnen würde. Daher sind weder digitale Anlagen, noch solche, wo ein Empfänger ausgeliehen und offen getragen werden muss, für sie geeignet. Das Umstellen des Hörgerätes auf die T-Stellung, wenn ihnen dies einmal gezeigt worden ist, aber bekommen die meisten hin. Haben sie einmal induktiv gehört, bleiben sie in der Regel dabei.

Fazit

Die Basistechnik muss niederschwellig und barrierefrei sein. Der schwerhörige Mensch darf nicht dazu gezwungen werden, sich zu outen, etwas auszuleihen oder eine andere Technik als das Hörgerät zu benutzen. Diese Kriterien erfüllt zurzeit noch immer nur die Induktive Höranlage, die zudem sogar auch noch die kostengünstigste Variante ist.

Wird zusätzlich noch eine andere Technik angeboten, die vielleicht manche Frühschwerhörigen favorisieren, so ist dies für sie eine gute Möglichkeit. Für die überwiegende Mehrzahl der Schwerhörigen aber ist dies keine Option!

Bluetooth gibt es in Hörgeräten bisher nur mit Aufzahlung, nicht in den aufzahlungsfreien Basishörgeräten. Ob Bluetooth für Sie Sinn macht, kommt auf Ihre persönliche Situation an.

Bluetooth wird in Hörgeräten bzw. Cochlea Implantaten ausschließlich für die Verbindung mit dem Smartphone oder mit Bluetooth-fähigen Musikabspielgeräten benutzt. Sind Ihre Hörsysteme über Bluetooth mit dem Smartphone gekoppelt, dann hören Sie das Telefonat direkt in Ihren Ohren und haben auch einige andere Komfort-Funktionen. Alternativ können Sie aber auch eine Halsringschleife oder ein induktives Headset an das Smartphone anschließen und über die aktivierte T-Spule genauso gut hören.

Aber es ist zu beachten, dass es zwei verschiedene Bluetooth-Welten in Hörsystemen gibt: die Bluetooth-Classic-Welt und die Bluetooth-MFi-Welt (= Made-for-iPhone). Während die Classic-Welt mit allen Geräten funktioniert, war die MFi-Welt zunächst nur für die iPhone-Welt gedacht. Nicht iPhone Geräte benötigen einen zusätzlichen Konverter, den Telefonadapter.

Funkmikrofone und TV-Adapter benutzen hingegen kein Bluetooth, sondern eine spezielle Drahtlostechnik vom jeweiligen Hörsystemkonzern. Obwohl Bluetooth und diese spezielle Drahtlostechnik technisch nichts miteinander zu tun haben, ist diese spezielle Drahtlostechnik oft nur zusammen mit Bluetooth erhältlich (darum wird beides, selbst von Hörakustikern, gerne verwechselt).

Aber für den TV-Adapter gibt es glücklicherweise auch Alternativen von freien Herstellern, die über die T-Spule übertragen und darüber hinaus sogar noch ein Partnergerät mit Kopfhörern versorgen können.

Latenz heißt Verzögerung. Es ist die Zeit, die z.B. ein gesprochenes Wort braucht, um über technische Wege ins Ohr der Empfänger zu kommen. Digitale Geräte haben aus Systemgründen immer eine deutliche Latenz, während analoge Geräte praktisch keinerlei wahrnehmbare Latenz aufweisen.

Die Latenzen in der gesamten Hörkette verursachen zwei Problemkreise:

  • Technisch verursachter Hall und Echo
  • Problematik beim für Schwerhörige wichtigen Mundabsehen/Mimik/Gestik

Problematik technisch verursachten Halls und Echos

Wenn ein Tonsignal ein- oder mehrfach kurz hintereinander wiederholt wird, aber nicht deutlich vom Originalton unterschieden werden kann, wird dies Hall genannt. Können die Wiederholungen deutlich vom Originalton unterschieden werden, wird es Echo genannt. Die Grenze, ab wann jemand einen Schalleindruck zum ersten Mal als Echo wahrnimmt, liegt je nach Sprache/Musik irgendwo zwischen 20 und 50ms Zeitunterschied, davor wird der Schalleindruck als Hall empfunden. Hall und Echo verändern den Klang durch Interferenzen und die Sprachverständlichkeit reduziert sich dadurch.

Heutzutage ist eine offene Versorgung bei Hörgeräten der Standard. Dabei ist das Ohr nicht mehr schalldicht verschlossen, sondern im Ohrkanal hält ein kleines Silikon-Hütchen den Lautsprecher bzw. den Schallschlauch fest. Ein Teil des normalen Luftschalles macht sich ohne Beteiligung des Hörsystems, am dünnen Silikon-Hütchen vorbei, auf den Weg direkt ins Ohr. Ebenfalls ist heutzutage die Mischstellung bei Hörgeräten Standard: Mikrofone und T-Spule bzw. Streaming-Geräte (TV-Streamer, Funkmikrofon, Telefonadapter) sind immer gleichzeitig eingeschaltet. Es gibt also mindestens diese unterschiedlichen Hör-Wege:

  • Schall, der über eine analoge oder digitale Höranlage ins Hörgerät/CI kommt
  • Schall, der direkt ins Mikrofon von Hörgerät/CI kommt
  • Schall, der am Hörgerät vorbei direkt ins Ohr geht (betrifft nur Hörgeräte bei offener Versorgung/ Versorgung von nur einem Ohr)

Diese Schallkomponenten kommen jeweils zu unterschiedlichen Zeiten im Ohr an. Im Gegensatz zu analogen Übertragungswegen haben aber digitale eine deutlich wahrnehmbare Latenz. Dabei hört man den Primärschall mit einer gewissen Verzögerung mehrfach, also als Hall oder sogar Echo. Dies aber sollte die Höranlage ja eigentlich verhindern.

Die Mischung dieser drei Komponenten ist an jedem Hör-Platz, für jedes individuelle Hörsystem und genutzter Höranlagen- und Empfangstechnik jeweils unterschiedlich. Deswegen lässt sich daran auch prinzipiell nichts durch Einstellungen an der Mikrofonanlage bzw. einer DSP (Digital Sound Processing) verbessern.

Das Problem tritt allerdings bei korrekter Versorgung nicht auf: Versorgung mit Ohrpassstück, keine Mischstellung der Hörsysteme und latenzfreie analoge Höranlage.

Problematik Mundabsehen/Mimik/Gestik

Schwerhörige Menschen können sich grundsätzlich nicht mehr auf die gehörte Sprache verlassen, sie müssen:

  • gehörte Geräusche unterscheiden in Sprache oder Störschall: War das ffff ein Buchstabe oder das Rauschen eines Luftzugs?
  • Manche unterschiedliche Laute hören sich für sie gleich oder ähnlich an: war es ein B oder P, ein B oder M, ein K oder G, ein F oder SCH u.s.w. ?
  • Manche Laute können sie garnicht mehr hören, z.B. tz oder sch: wurde Fritz oder frisch gesagt?

Um dieses sogenannte Hörpuzzle zu lösen, werden zusätzliche Informationsquellen benötigt. Das sind in erster Linie Mundabsehen, Mimik und Gestik. Wenn der Ton aber später als das Gesehene eintrifft, müssen diese beiden Informationsquellen erst im Gehirn synchronisiert werden, erst danach kann das Hörpuzzle beginnen. Je weiter Bild und Ton auseinanderlaufen, desto anstrengender und länger dauert dieser Synchronisationsvorgang. Ab einer gewissen Latenz gelingt das gar nicht mehr, man hört den falschen (vorherigen) Buchstaben zum gesehenden aktuellen Mundbild. Das Gehirn versucht dann, dazwischen einen Mittelweg zu finden, wobei das Gesehene bevorzugt wird. Man versteht dann einen ganz anderen Laut: McGurk-Effekt. Z.B. Gesehen wird GaGa, gehört wird BaBa, verstanden wird DaDa. (siehe youtube-Videos Stichwort McGurk Effekt)

Maximal zulässige Latenz

Wie groß darf die Latenz sein, bevor die Synchronisation zu anstrengend wird? Es gibt Normvorschriften für den Dolmetsch-Bereich. Dolmetschende müssen ja sehr gut verstehen können. Deshalb sind sie für Zweifelsfälle auch auf das Mundabsehen angewiesen. Wissenschaftliche Untersuchungen haben ergeben, dass der Stress ab 12 ms Latenz enorm ansteigt. Die ISO-Norm 20108 schreibt deshalb 12ms als maximale Latenz fest, die EU-Kommission für ihre Dolmetscherinnen und Dolmetscher sogar nur 10ms.

Ein weiterer Hinweis kommt aus dem Musikbereich: Bei Studio-Aufnahmen sind die Musiker heutzutage in unterschiedlichen Studioräumen. Damit sie sich aber gegenseitig hören können, haben sie „einen Knopf im Ohr“, das InEar-Monitoring. Die Latenz dieses Systems soll aber 5ms nicht übersteigen, maximal jedoch 10ms betragen, ansonsten geraten die Musiker aus dem Takt. Auch bei Life-Konzerten wird dieses InEar-Monitoring genutzt. Also auch hier die absolute Grenze von 10ms. Daher arbeiten sie grundsätzlich nur mit analogen InEar-Monitoring Systemen.

Diese maximal zumutbare Latenz von 10-12ms wird allerdings schon von den meisten Hörsystemen „aufgefressen“. Da bleibt für eine latenzbehaftete Höranlage nichts mehr übrig, sie muss latenzfrei arbeiten.

Die Induktionstechnik ist normalerweise robust und nicht sehr anfällig. Sollte es doch einmal zu einem Fehler kommen, so liegt das meist an folgenden drei Teilen:

1. Verstärker

  • Er wurde nicht eingeschaltet
  • Irgendwer hat das Stromkabel aus der Steckdose gezogen, um ein anderes Gerät anzuschließen.
  • Die Einstellknöpfe wurden verstellt.
  • Sehr selten: er ist defekt.

2. Eingangssignal

  • Das Anschlusskabel ist herausgerutscht oder wurde nach einer Renovierung nicht wieder angeschlossen
  • Das Signal ist zu schwach, jemand hat am Mischpult etwas verstellt.
  • Das Anschlusskabel hat einen Kabelbruch

3. Kabel der verlegten Schleife

  • Schleifenkabel wurde z.B. nach einer Renovierung nicht mehr angeschlossen, weil es abgeschnitten und die Enden in die Wand eingegipst wurden.
  • Das Kabel wurde irgendwo durch äußere Einwirkungen unterbrochen.
  • Die Kabelstärke passt nicht (mehr) zum vorhandenen Verstärker (bei Ersatz vom Verstärker oder bei Konzeptionsfehlern)

Wenden Sie sich gern und mutig auch an einen Ansprechpartner vor Ort.

Die meisten. Etwa 85% der verkauften Hörgeräte verfügen laut der Bundesinnung der Hörakustiker (biha) über die T-Spule.

Basishörgeräte („Kassengeräte“) in der Bauform Hinter-dem-Ohr (HdO) haben immer eine T Spule, aber auch viele Im-Ohr-Geräte (IdO). Auch die höherpreisige Geräte bis zu den neuesten Premium-Geräten mit Bluetooth werden – je nach Hersteller – standardmäßig mit T Spule ausgeliefert oder sind mit T-Spule lieferbar.

Oft ist die T-Spule jedoch im Hörakustikstudio nicht freigeschaltet worden. Das kann nachträglich kostenlos durch ein paar Klicks am Programmier-PC erledigt werden. Ob Ihr spezielles Hörgerät mit T-Spule ausgeliefert wurde, dazu fragen Sie bitte Ihren Hörakustiker bzw. Ihre Hörakustikerin. Sollte im Hörgerät tatsächlich keine T-Spule verbaut sein, gibt es bei vielen Hörgerätemarken für eine Reihe ihrer Hörgeräte Zubehörteile mit einer externen T-Spule, z.B. in Funkmikrofonen.

Hat das Hörgerät Bluetooth, hat es immer auch einen weiteren drahtlosen Zugang, über den ein Zusatzgerät Audioinhalte ins Hörgerät übertragen kann. An dieses Zusatzgerät kann ein Induktionsempfänger angeschlossen werden, sodass auch diese Hörgeräte an eine Induktionsschleife ankoppeln können.

Sind T-Spulen noch zeitgemäß? Die Antwort finden Sie hier!

Die einfachste Möglichkeit das herauszufinden ist:

Fragen Sie Ihren Hörakustiker oder Ihre Hörakustikerin und lassen Sie eine vorhandene T-Spule gleich aktivieren!

Rein äußerlich ist es dem Hörgerät nicht anzusehen, ob es über eine T-Spule für induktives Hören verfügt. Eigentlich müsste diese Information beim Kauf eines Hörgerätes selbstverständlich weitergegeben werden, was aber meist nicht geschieht. Doch es gibt Anhaltspunkte, die auf das Vorhandensein einer T-Spule schließen lassen:

Da der Medizinische Dienst der Krankenkassen mindestens eine kabellose Übertragung zum Hörsystem vorschreibt, ist die T-Spule in Basisgeräten (Kassengeräten) immer vorhanden. Bei Hörgeräten, die über Bluetooth verfügen ist die Grundvoraussetzung des Medizinischen Dienstes erfüllt. Eine zweite kabellose Möglichkeit (T-Spule) ist damit nicht mehr zwingend vorgeschrieben. Dennoch verfügen auch viele Hörgeräte mit Aufpreis über eine T-Spule oder sind mit oder ohne T-Spule bestellbar. Im Preis macht das keinen Unterschied.

Auch gibt es Hörgerätehersteller, die ab Werk so gut wie jedes Hörgerät standardmäßig mit einer T-Spule ausliefern.

Das kommt natürlich auf Ihren Hörstatus an. Wer an Taubheit grenzend schwerhörig ist, für den wäre zu prüfen, ob ein Cochlea Implantat (CI) in Frage kommt. Die notwendige Operation, sowie das CI selbst werden von der Krankenkasse vollständig übernommen.

Aber auch bei Hörgeräten gibt es die sogenannten Basisgeräte, bei denen die Kosten von der Krankenkasse vollständig übernommen werden (mit Ausnahme von Batterien oder Akkus), sie sind heutzutage sehr gut.

Was die Sprachverständlichkeit angeht, stehen Basisgeräte den Premiumgeräten in nichts nach! Allerdings fehlen hier Komfortmerkmale, die das Leben mit Hörgeräten für manche Menschen erleichtern. Ob dies auf Sie zutrifft, müssen Sie ausprobieren. Testen Sie verschiedene Systeme im Alltag, bevor Sie sich für eines entscheiden. Und testen Sie vor allem auch ein Basisgerät.

Wussten Sie, dass im Durchschnitt 7 Jahre vergehen, bis ein schwerhöriger Mensch sich zu Hörgeräten durchringt?

Anders als Sehschwäche ist Schwerhörigkeit auch heutzutage nach wie vor ein Tabu. Sie wird so lange es geht verdrängt, dann schamhaft verschwiegen. Obwohl es heute schon sehr schöne, farbige und geschmackvolle Modelle gibt, werden sie nur von wenigen so selbstverständlich getragen, wie dies bei Brillen inzwischen selbstverständlich ist. Die meisten Menschen verbergen ihr Hörgerät unter Haaren, Kopfbedeckung oder greifen zum (oft nicht empfehlenswerten) Im-Ohr-Gerät. Für Außenstehende ist es dann oftmals nicht möglich, Kommunikationsprobleme richtig zu deuten und unterstützend darauf zu reagieren.

Mit diesem Faltblatt wollen wir Ihnen Mut machen, zu Ihrer Hörbeeinträchtigung zu stehen oder schwerhörige Menschen darin zu unterstützen. Hörgeräte allein genügen dazu nicht, sind aber ein unverzichtbarer Baustein zum besseren Verstehen.

Welches Hörgerät für Sie am besten ist, müssen Sie ausprobieren. Jede Hörstörung ist anders, jeder Lebensentwurf auch. Gehen Sie gerne in Gesellschaft oder genießen Sie es, mit ihrem Nachbarn Schach zu spielen? Lieben Sie Musik oder ist ein Waldspaziergang für Sie Entspannung pur? Leben Sie auf dem Land oder in der Stadt? Die Liste ließe sich unendlich weiterspinnen … Daher ist das allerwichtigste immer folgendes:

  • Sagen Sie schon im Vorfeld deutlich, was für Sie in Ihrem Leben wichtig ist, ein guter Hörakustiker/ eine gute Hörakustikerin wird dies auch detailliert abfragen.
  • Testen Sie verschiedene Hörsysteme unterschiedlichen Preises im Alltag (jeweils mind. 2 Wochen lang)
  • Schreiben Sie ihre Erfahrungen auf, indem Sie z.B. eine Tabelle machen mit Punkten wie: zuhause, im Verkehrslärm, auf der Arbeit, bei Vorträgen etc. und tragen Sie mit Schulnoten ein, wie gut oder schlecht das jeweilige Hörgerät in jeder dieser Situationen war. Nach der Testphase vergleichen Sie. Kein Hörgerät ist in allem gut! Bewerten Sie, was Ihnen wichtiger ist als anderes.
  • Verzichten Sie keinesfalls (!!!) auf die T-Spule, selbst wenn Sie gerade nicht wissen, ob Sie sie brauchen werden (siehe FAQ Wie funktioniert eine Induktionsschleife?/ Haben alle Hörgeräte eine T-Spule?). Hörgeräte mit T-Spule sind weder teurer und, wenn überhaupt, weniger als 1mm größer als solche ohne T-Spule. Das Programm können Sie sich auch später noch aufspielen lassen, aber die T-Spule selbst kann normalerweise nicht nachgerüstet werden.

Hörgeräte verstärken die Frequenzen, die bei schwerhörigen Menschen nicht mehr gehört werden können. Sie stimulieren die Bereiche im Innenohr, die geschädigt sind und einen höheren Schalldruck brauchen. Sind allerdings die entsprechenden Hörhaarzellen überhaupt nicht mehr funktionsfähig, oder müsste der Schalldruck an einer Stelle so laut sein, dass es über die Unbehaglichkeitsschwelle geht, dann ist hier ein Ausgleich nicht mehr möglich.

Hörgeräte machen das Verstehen praktisch immer deutlich besser, aber Sie werden damit nicht wieder guthörend sein. Es bleiben Einschränkungen.

Auch (noch) guthörende Menschen spüren mit zunehmendem Alter, dass sie in lauten Situationen und hallenden Räumen nicht mehr gut verstehen können. Dies muss noch keine Schwerhörigkeit sein, geht aber zumindest auf eine zu.

Ein guthörender junger Mensch kann auch dann noch verstehen, wenn die Umgebungsgeräusche fast doppelt so laut sind wie das, was er hören möchte. Über unser Richtungshören kann unser Gehirn das verstärken (lauter machen), was ich hören will und das dämpfen (leiser machen), was nur Störgeräusche sind. Dieses Richtungshören läuft aber über die hohen Frequenzen. Diese nehmen mit zunehmendem Alter bei uns ab, mit der Folge, dass unser Gehirn immer weniger Informationen darüber bekommt, was aus welcher Richtung kommt, also, was Störgeräusch ist, und was ich tatsächlich hören will.

Erst wenn dieser Frequenzverlust den Hauptsprachbereich erreicht hat spricht man von einer Schwerhörigkeit. Ob dies bei Ihnen schon der Fall ist oder nicht, kann nur der HNO Arzt/Ärztin oder der/die Hörakustiker/in mit Sicherheit feststellen.

Darum: Regelmäßige Hörtests, mindestens einmal jährlich sind sinnvoll und angezeigt.

Wenn die Voraussetzungen für ein Hörgerät vorhanden sind, sollten Sie nicht länger warten, denn:

  • Je früher jemand ein Hörgerät bekommt, desto weniger Hörbilder im Gehirn gehen verloren, denn das Gehör nimmt mit der Zeit immer weiter ab. Je weniger Hörbilder neu aufgebaut werden, desto schneller und effektiver werden die verlorenen zurückkommen.
  • Wer schlecht hört neigt dazu, sich zurückzuziehen, Situationen zu vermeiden, wo schlecht verstanden wird. Je mehr ich mich aber zurückziehe, desto schwerer wird es mir fallen, aus dieser Isolation wieder herauszukommen. Die Folgen davon können Einsamkeit, bis hin zu Depressionen und suizidalen Gedanken sein.
  • Je jünger Sie sind, desto einfacher fällt Ihnen vermutlich der Umgang mit dem Hörgerät. Technik und Handhabung fallen Ihnen leichter und Sie können eher erkennen, was Sie tatsächlich brauchen und was nur Schnickschnack ist.

Ja! – An praktisch jede Beschallungsanlage, egal ob analog oder digital, kann eine moderne induktive Höranlage angeschlossen werden. Auch bestehende ältere Induktionsschleifen können über einen Induktionsverstärker an neue digitale oder analoge Beschallungsanlagen angeschlossen werden. Die Induktionstechnik ist auf dem aktuellen Stand der professionellen Audiotechnik.

Nein.

Laut Bundesinnung der Hörakustiker haben ca. 85% aller verkauften Hörgeräte eine T-Spule. Alle Kassengeräte sind damit ausgestattet. Die T-Spule muss vom Hörgeräteakustiker aktiviert werden. Dies kann auch nachträglich kostenlos im Hörstudio erfolgen. Sollte in Ihrem Hörgerät keine T-Spule eingebaut sein, gibt es dennoch Möglichkeiten an die Induktionsschleife anzukoppeln.

Nein.

Für die Funktionalität der Induktionsschleife ist es nicht erforderlich den Boden aufzureißen. Möglich ist eine fast unsichtbare Befestigung, z.B. auf einer Sockelleiste. In manchen Fällen ist es sogar sinnvoll, wenn die Schleife in einer Höhe von 2,5 bis 3,5 Metern verlegt wird. Daher muss nicht auf eine Innenrenovierung gewartet werden.

Das Kabel ist nur bis zu 3,5 mm dick und ist in vielen Farben erhältlich und passt sich daher gut den Gegebenheiten an.

So hören gut hörende Menschen
So hören gut hörende Menschen
So hören schwerhörige Menschen
So hören schwerhörige Menschen

Schon als Kinder lernen wir, vorausgesetzt wir sind guthörend, dass sich Geräusche unterschiedlich anhören, je nachdem, aus welcher Richtung sie kommen, oder wie weit sie jeweils weg sind. Von oben hört sich ein Geräusch anders an als von links, vom hinten anders als von rechts vorne. So wird unser Richtungshören schon sehr früh im Leben ausgebildet. Das hilft uns, uns in unserem Umfeld zurechtzufinden. Es hilft uns aber auch, unwichtige Geräusche von wichtigen zu trennen. Unwichtige Geräusche sind z.B. das Brummen des Kühlschranks, der Verkehr außerhalb der Wohnung, aber auch das, was als Hall noch einmal zu uns zurückkommt. Das Unwichtige kann weg, sagt unser Gehirn und filtert das aus.

Daher können guthörende Menschen auch dann noch ihr Gegenüber verstehen, wenn der Lärmpegel um sie herum fast doppelt so laut ist. Das Gehirn verstärkt das, was aus der Richtung kommt, die wir hören wollen und reduziert das, was aus den anderen Richtungen kommt (Cocktailparty-Effekt). Dazu braucht das Gehirn aber natürlich die Information, was aus welcher Richtung kommt.

Das Richtungshören läuft aber vor allem über die hohen Frequenzen, also die, die von den allermeisten Schwerhörigen nicht mehr gehört werden. Daher können schwerhörige Menschen nicht mehr unterscheiden zwischen dem, was sie hören möchten und dem Störschall, da das Gehirn nicht mehr die Information erhält, was aus welcher Richtung kommt. Es weiß nicht mehr was lauter und was leiser gemacht werden muss. Und hier haben wir das Problem für schwerhörigen Menschen. Ihr Richtungshören ist extrem eingeschränkt bis nicht mehr vorhanden. Für sie hört sich alles an, als käme es aus der gleichen Richtung. Besonders fatal wirkt sich dies in geräuschvollen Umgebungen aus und in Räumen mit viel Hall. An ein Verstehen ist hier oftmals nicht mehr zu denken.

Und – ein eingeschränktes Richtungshören zeigt sich meist schon lange, bevor eine Schwerhörigkeit diagnostiziert wird. Denn als schwerhörig wird ein Mensch nur dann bezeichnet, wenn sein Hauptsprachbereich betroffen ist. Betrifft die Einschränkung aber nur die Frequenzen jenseits von 10.000 Hz, dann ist zwar das Richtungshören sehr erschwert, es besteht aber (noch) keine behandlungsbedürftige Schwerhörigkeit. Die Probleme im Störschall sind aber dieselben, wie bei (schon) Schwerhörigen. Was hilft?

Höranlagen
Sie sorgen für eine Trennung von dem, was wir hören wollen und den Nebengeräuschen und dem Hall: Indem Höranlagen nur das übertragen, was direkt ins Mikrofon kommt, sorgen sie dafür, dass die sonstige Raumakustik außen vor bleibt. Das Mikrofon verstärkt das, was gehört werden soll, die restlichen Geräusche sind, je nach Mikrofon-Typ nur noch leise im Hintergrund zu hören. Analoge Übertragungen sind dabei digitalen grundsätzlich vorzuziehen, da sie keine Latenz (Zeitverzögerung) haben. Diese stört das Mundabsehen empfindlich und bringt den Hall, den wir durch die Höranlage ja ausschließen wollten, ein Stück weit wieder zurück. Der Hörstress nimmt mit Latenz signifikant zu (mehr Informationen unter: Das unterschätzte Problem der Latenz).

Raumakustik
Nicht in jedem Raum ist eine Höranlage sinnvoll. Dort, wo Gespräche nebeneinander laufen, z.B. bei einem geselligen Beisammensein, bringt eine Höranlage nur dann etwas, wenn sie direkt am Tisch genutzt wird. Abgesehen davon, dass sie vorhanden sein muss, müssten dann auch alle schwerhörigen Menschen am gleichen Tisch sitzen. Der Ghettoisierung ist damit Tür und Tor geöffnet. Wirksamer sind grundsätzliche Hall-reduzierende Maßnahmen wie z.B. Akustik-Decken, Teppichböden, Vorhänge, gepolsterte Stühle, etc. Aber auch mobile Hall-reduzierende Elemente sind hilfreich, die temporär aufgestellt werden können, um ruhigere Nischen um die Tische zu schaffen.

Verschriftlichung
Alles, was gelesen werden kann, muss nicht mühsam rekonstruiert werden. Verschriftlichte Inhalte helfen schwerhörigen Menschen zu verstehen. Dabei reicht für einen leichtgradig Schwerhörigen u.U. schon der Aufbau der Predigt oder Stichworte auf einer Power-Point-Präsentation. Noch besser sind ausgeschriebene Texte, z.B. wenn die Predigt/ der Vortrag eh auf dem Computer vorliegt, dann kann sie auch (in ausreichender Schriftgröße) an die Wand projiziert werden. Selbst eine ausgedruckte Predigt hilft schon weiter. Allerdings muss sich der schwerhörige Mensch dazu outen, was vielen, vor allem den allermeisten älteren Menschen, sehr schwerfällt. Bei größeren Veranstaltungen oder bei Kasualgesprächen mit hochgradig schwerhörigen Menschen kann der Einsatz von Schriftdolmetscherinnen oder Schriftdolmetschern zielführend sein.

Nein, aber das ist auch so gewollt.

Eine T-Spule reagiert auf alle elektromagnetischen Felder, nicht nur das einer Induktionsschleife. In unserem Alltag sind wir ständig davon umgeben.

Stellen Sie sich vor, sie gehen unter einer Stromleitung durch und ihr Hörgerät schaltet plötzlich auf die T-Spule um, weil es ein elektromagnetisches Feld erkannt hat. Statt der Verkehrsgeräusche hören sie plötzlich nur noch ein nervtötendes Brummen. Oder das Gespräch, das Sie gerade führen, wird unterbrochen, weil sich eine Straßenbahn nähert.

Um selbst entscheiden zu können, was sie tatsächlich hören wollen, müssen Sie ihr Hörgerät aktiv auf das T-Spulen-Programm umstellen. Das geht ganz einfach, fragen Sie Ihren Hörakustiker oder Ihre Hörakustikerin.

Batterien haben den Vorteil, dass sie schnell gewechselt sind, wenn sie leer sind. Sie können jeweils ein Päckchen davon an vielen Stellen hinterlegen, so dass Sie immer drankommen. Und sie können sie im Zweifelsfall in jedem Laden, jeder Apotheke oder Tankstelle kaufen.

Akkus dagegen müssen aufgeladen werden, haben Sie das vergessen, oder das Hörgerät versehentlich nicht richtig ins Ladegerät gesteckt, haben Sie das Nachsehen. Außerdem halten Akkus maximal 5 Jahre und werden mit den Jahren immer schlechter. Den Austausch der Akkus müssen Sie dann selbst bezahlen, dazu muss das Hörgerät normalerweise eingeschickt werden.

Andererseits können Akkus von Vorteil sein, wenn Sie Probleme haben, die kleinen Hörgerätebatterien zu wechseln. Pflegende Angehörige oder Mitarbeitende im Altenpflegeheim profitieren von Akkus, denn Sie können die Hörgeräte abends einfach in die Ladebox stecken und morgens den Patienten wieder einsetzen. Bei Batterien haben sie keine Kontrolle, ob diese leer sind oder nicht.

Die Antwort: Ein klares Ja.

Nur weil etwas schon länger bekannt ist, ist es nicht veraltet. Das Rad wurde schon in vorchristlicher Zeit erfunden und (Rollstuhl) Rampen wurden schon zum Bau der Pyramiden eingesetzt.

Induktionsschleifen sind eine einfach zu installierende, kostengünstige und wartungsarme Technik, die wenig störungsanfällig ist. Zudem ist sie auch für Hörgeräteträger*innen weder mit Zusatzkosten verbunden, noch wird dazu ein weiteres Hilfsmittel (z.B. Smartphone) gebraucht. Und: Sie ist auch für ältere Menschen noch gut handhabbar. Induktionsschleifen sind somit niederschwellig und barrierefrei und damit das Mittel der Wahl als Basisversorgung.

Übrigens, wussten Sie das? Auch Bluetooth ist keine neue Erfindung, sondern ist sogar älter als Induktion.

Oft wird behauptet, T-Spulen in Hörgeräten sind veraltete Technik, während es anderseits als schick gilt, Smartphones induktiv aufzuladen oder bargeldlos damit zu bezahlen. Dass auch T-Spulen alles andere als ein Auslaufmodel in Hörsystemen sind, darüber berichtet Pastorin Beate Gärtner in diesem Video.

Weitergehende Informationen finden Sie hier als Download.

Nein. Dazu ist das erzeugte elektromagnetische Feld viel zu schwach.

Viele Geräte des täglichen Gebrauchs erzeugen ein elektromagnetisches Feld, das meist weit über dem einer Induktiven Höranlage liegt. Ein elektrischer Rasierapparat hat z.B. ein bis zu 18-mal stärkeres elektromagnetisches Feld, auch ein normaler Stereo-Lautsprecher liegt in einem wesentlich höheren Bereich. Dasselbe gilt auch für Staubsauger, Fön, Fernseher etc.

Die 400 mA/m maximale Schleifen-Feldstärke für Induktions-Schleifen wurde nach der Stärke des Streufeldes eines Telefonhörers festgelegt und Herzschrittmacher-Patienten wird schließlich auch nicht das Telefonieren verboten.

Wenn Sie merken, dass Sie immer öfter nachfragen müssen, wenn jemand mit Ihnen redet, wenn sie das Gefühl haben, dass Menschen um sie herum nuscheln, dann ist es Zeit für einen Hörtest, denn es könnte sein, dass sie anfangen, schwerhörig zu werden. Generell wird empfohlen, ab 50 Jahren jährlich vorsorglich zum Hörtest zu gehen, damit dann, wenn eine Schwerhörigkeit vorliegt, möglichst sofort eine Hörgeräteversorgung gemacht werden kann. Je früher sie dann ein Hörgerät bekommen, desto mehr werden Sie davon haben.

Grundsätzlich können Sie sowohl beim HNO-Arzt/Ärztin, als auch im Hörakustikstudio einen Hörtest machen. Das Hörakustikstudio hat den Vorteil, dass Sie dort schneller einen Termin bekommen und dass dort meist die aufwändigere Diagnostik gemacht wird (dort hat man ein Interesse daran, eine bestehende Hörschädigung zu diagnostizieren 😊). Sie brauchen dennoch danach nicht dort kaufen, Hörtests sind grundsätzlich kostenlos und unverbindlich!

Stellt der Hörakustiker/ die Hörakustikerin eine Schwerhörigkeit fest, schickt er/sie anschließend eh zum Ohrenarzt, denn Sie brauchen von dort eine Verschreibung.

Weil Hörgeräte in lauter Umgebung oft nicht helfen. Guthörende Menschen können sehr genau unterscheiden, aus welcher Richtung ein Geräusch kommt. Schwerhörigen Menschen fällt dies schwer. Ihr Richtungshören ist stark eingeschränkt bis nicht mehr vorhanden. Das Richtungshören dient dazu, um Hall und Nebengeräusche auszublenden oder zu reduzieren.

Das Gehirn kann z.B. entscheiden, was die interessante Schallquelle ist (Nutzschall) und was bloß störende Nebengeräusche sind (Störschall). Ein guthörender Mensch kann so seinem Gegenüber zuhören, selbst wenn der Störschall doppelt so laut ist. Das Gehirn macht einfach das Gespräch lauter und den Störschall leiser. Das ist eine reine Gehirnleistung! Dazu braucht es aber die Informationen, was aus welcher Richtung kommt. Fehlen diese Informationen, kann Störschall nicht mehr reduziert werden. Schwerhörige hören einen Schallbrei, wenn mehrerer Menschen gleichzeitig reden. Besonders das Verstehen eines Vortrages/ Predigt wird durch Hall, Echo oder auch quietschende Bänke erschwert.

Im Nahbereich können gute Richtmikrofone am Hörgerät helfen. Nicht aber bei Kirche oder Saal. Die Predigt oder der Vortrag gehen in den Störgeräuschen unter. Lautsprecher verschlimmern oftmals das Problem für schwerhörige Menschen. Sie verstärken nicht nur das Gesagte, sondern erzeugen auch noch zusätzlichen Hall. Daher muss das techisch gelöst werden, was normalerweise das menschliche Gehirn durch das Richtungshören übernimmt. Und das geht so: Eine Höranlage überträgt nur das, was ins Mikrofon gelangt (Nutzschall), direkt in die Hörgeräte. Der Störschall bleibt weitestgehend außen vor.

Viele Kirchen sind mit ausgezeichnet funktionierenden Lautsprecheranlagen ausgestattet, in die viel Geld investiert wurde. Dennoch wundern sich Pfarrer und Mesner immer wieder, wenn Schwerhörige sich beschweren, sie würden im Gottesdienst nicht viel verstehen.

Hochwertige Lautsprecher sind für eine gute Akustik wichtig. Bei Schwerhörigen jedoch können sie bestenfalls unter Idealbedingungen das Verstehen verbessern. Die gibt es aber fast nur im eigenen Zuhause. Räume und Gebäude in der Öffentlichkeit hingegen, und ganz besonders Kirchen, sind weitab vom Idealzustand. Hier kommt eine mehr oder weniger geballte Ladung an Störgeräuschen (Hall, Echo, menschlich erzeugte Nebengeräusche) zusammen, die sich nicht immer vermeiden lassen. In Kirchen sind, baulich bedingt und durchaus beabsichtigt, Hall und Echo besonders ausgeprägt, um dem Wort des Pfarrers oder der Orgelmusik mehr Volumen und Resonanz zu verleihen. Dies macht eben jenes akustische Erlebnis aus, welches Kirchgänger mit dem Gottesdienst verbinden und schätzen.

Nichtschwerhörige können auch unter diesen Bedingungen gut verstehen. Schwerhörige Menschen aber haben durch ihre Hörschädigung weitgehend die Fähigkeit verloren, Stör- und Nutzschall auseinanderzuhalten. Sie erleben also im Normalfall in der Kirche einen weitgehend amorphen Klangbrei, welcher ihnen das Zuhören schwermacht und das Verstehen mitunter unmöglich.

Da kämpfen Lautsprecher, unabhängig von der Bauform, der Qualität und der Preislage, auf verlorenem Posten. Weder können sie Störgeräusche eliminieren (sie regen sie vielmehr noch an) noch den Abstand zwischen Nutz- und Störschall vergrößern. Um eine Veranstaltung oder einen Veranstaltungsort für Schwerhörige barrierefrei zu machen, bedarf es spezieller Technik.

Hören mit einer Höranlage
Hören mit einer Höranlage

Höranlagen haben die Aufgabe, das, was für Guthörende über die Lautsprecher übertragen wird, auf einen vom Störschall unbeeinflussten Weg in die Hörgeräte bzw. die Ohren der schwerhörigen Menschen zu bringen. Das heißt, sie übertragen direkt vom Mikrofon in die Hörsysteme.

Schwerhörige Menschen können aufgrund ihres mangelnden Richtungshörens Hall und Echo, von anderen verursachten Lärm (Laufgeräusche, knarzende Bänke, Husten etc.) nicht ausfiltern. Für die allermeisten Schwerhörigen sind selbst modernste Lautsprecheranlagen keine Hilfe, da auch sie Hall und Echo erzeugen und zwar umso stärker, je mehr Lautsprecher vorhanden sind. Der Störschall aus Publikum, Gebäudetechnik (Beamer, Lüftung, Heizung …) und Umwelt (Verkehrslärm, spielende Kinder etc.) kommt noch erschwerend dazu.

Hörgeräte können hier mit guten Richtmikrofonen zwar im Nahbereich helfen. Bei sehr guten akustischen Verhältnissen kann das bis zu 3 m weit funktionieren. In hallenden Räumen verringert sich dieser Abstand jedoch drastisch. Und auch Hörgeräte aus dem Premiumsegment sind hier nicht besser als Basisgeräte, denn auch sie unterliegen physikalischen Gesetzen, die sie nicht ändern können (Hallradius).

In Situationen mit Störschall ist es daher nötig, das, was das Gehirn bei guthörenden Menschen automatisch macht, nun technisch zu lösen. Es muss also der Störschall reduziert werden, damit nur der Nutzschall deutlicher gehört wird. Das gelingt, wenn nur das, was ins Mikrofon gesprochen wird, direkt aufs Hörgerät übertragen wird (oder Plan B: über einen Kopfhörer direkt ins Ohr), während die Störgeräusche weitgehend ausgeschaltet werden. Genau das geschieht durch eine Höranlage.

Typen von Höranlagen-Techniken

Analoge Technik
Sie arbeitet verzögerungsfrei (latenzfrei) (Induktionsschleifen/ FM und Infrarot Anlagen)

Digitale Technik
Sie arbeitet vom System her immer mit Zeitverzögerung (latenzbehaftet) (WLAN/WiFi-Streamer/ Bluetooth/ Auracast/ 2,4 GHz Technik, DECT). Die Latenz hängt von der Übertragungstechnik der Anlage und der Empfangstechnik im Hörsystem ab. Sie liegt etwa zwischen 20ms bis zu etwa 300ms über den gesamten Übertragungsweg. Das entspricht der Dauer eines kurzen Lautes bis hin zu einem ganzen Wort. Zur Problematik der Latenz finden Sie hier Informationen.

Es gibt verschiedene Zweckbestimmungen der Anlagen. Deshalb unterscheiden sich die genutzten Techniken auch hinsichtlich Mobilität, Transportabilität, Mehrkanal-Fähigkeit, Abhörsicherheit, Kompatibilität mit Hörsystemen, Stereo-Fähigkeit, Benutzerfreundlichkeit, Barrierefreiheit u.s.w. Mobilität, Transportabilität und Mehrkanal-Fähigkeit sind Kriterien für Personenführungsanalagen und Konferenzanlagen, Stereo-Fähigkeit eher für Musikgenuss im privaten Umfeld, während Benutzerfreundlichkeit und Barrierefreiheit unabdingbare Voraussetzungen für Höranlagen im öffentlichen Bereich sind.

Ergänzendes finden Sie dazu im Kompendium Höranlagen (im Downloadbereich)

Ca. 20 % aller Menschen in Deutschland sind hörgeschädigt. Durch die im Alter zunehmende Schwerhörigkeit können wir davon ausgehen, dass 30-40 % der Kirchgänger/innen und vermutlich ein ähnlich hoher Prozentsatz von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern unserer Kirchengemeinden schwerhörig sind. Gerade Menschen im fortgeschrittenen Alter fällt es aber in der Regel extrem schwer, ihre Schwerhörigkeit publik zu machen.

Viele ziehen sich mit fortschreitender Schwerhörigkeit aus der Gemeinde zurück, weil sie die Predigt nicht mehr verstehen, weil sie Diskussionen und Vorträgen nicht mehr folgen können, weil sie sich ausgeschlossen fühlen. 

Für diese Menschen sind Höranlagen eine Voraussetzung, um weiter am Gemeindeleben aktiv teilnehmen zu können.

Vieles von dem, was Sie als Nebengeräusche wahrnehmen, sind Alltagsgeräusche, die sie früher gehört haben und jetzt, mit dem Hörgerät, wieder hören. Nur mit dem Unterschied, dass Sie früher wussten, um welche Geräusche es sich handelt und heute erstmal nicht mehr.

Warum? Kinder lernen Geräusche zu deuten. Hört ein Kind ein neues Geräusch, schaut es sich so lange um, bis es weiß, woher das Geräusch kommt und was das ist. Dann wird ein Hörbild im Gehirn angelegt. Hört das Kind das Geräusch später wieder, kennt es das, es braucht es nicht mehr zu sehen. Diese Hörbilder werden aber abgebaut, wenn die dazugehörigen Geräusche nicht mehr gehört werden können. Das Hörgerät überträgt jetzt diese Geräusche wieder, aber das Gehirn sagt: Ich kann damit nichts anfangen, da gibt es kein Hörbild dazu. 

Hörbilder können neu aufgebaut werden, wenn Sie Ihr Hörgerät regelmäßig tragen. Sie können das unterstützen, indem Sie z.B.:

  • sich die Zeitung oder einen anderen Text laut vorlesen (sie wissen dann, was Sie hören und wie es klingt)
  • bewusst auf Geräusche achten (das Ticken der Uhr, das Tropfen des Wasserhahns, das Zwitschern eines Vogels vor dem Fenster …)
  • Geräusche selbst erzeugen und hören, wie es klingt
  • für technikaffine Menschen: im Internet gibt es auch kostenlose Hörtrainings-Programme, einfach mal danach suchen

Wer schwerhörig ist, hat oft sehr große Probleme, sich auf einen neuen Pfarrer, eine neue Pfarrerin einzustellen. Dies kann natürlich im Einzelfall auch mal daran liegen, dass der Neue/ die Neue undeutlich oder zu schnell spricht.

Meist aber steckt ein anderes Phänomen dahinter: Den Vorgänger/ die Vorgängerin hatte man über viele Jahre erlebt. Also auch schon in Zeiten, als die Schwerhörigkeit noch nicht so stark ausgeprägt war. Gleichzeitig konnte man die Person auch aus langer Erfahrung einschätzen. Man wussten, wie er/sie die Predigt aufgebaut hat, man kannte die Sprache (jede/r von uns hat Lieblingsworte), die Theologie, die begleitende Mimik und Gestik, die Tonlage und, und, und. Um zu verstehen nehmen wir immer sehr viel mehr wahr als nur das gehörte Wort. Verstehen, vor allem bei zunehmender Schwerhörigkeit, bedient sich aus all diesen Elementen. Wechselt die Pfarrperson nun, fallen viele dieser Elemente zunächst weg. Sie müssen lernen, sich neu einzuhören und dies geht nicht von heute auf morgen.

Daher: schauen Sie zunächst einmal, was Sie an der Situation ganz konkret verändern können. Gibt es einen Sitzplatz in der Kirche, an dem sie besser verstehen? Etwa weiter vorne, wo sie die Mundbewegungen der Pfarrperson besser sehen können? Wo die Beleuchtung besser ist? Gibt es überhaupt schon eine Höranlage in Ihrer Kirche? Wenn nicht, sprechen Sie den Kirchengemeinderat darauf an. Sie helfen damit auch anderen Schwerhörigen in Ihrer Gemeinde, die sich das vielleicht noch nicht trauen.

Lernen Sie die neue Pfarrperson besser kennen. In einem ruhigen Gespräch, wo Sie auch nachfragen können, oder in anderen ruhigeren Situationen werden Sie bald merken, dass das Verstehen zunimmt, je häufiger Sie die Sprachgewohnheiten dieser Person hören.

Schwerhörige Menschen haben es nicht leicht. Allein das akustische Verstehen braucht sehr viel Konzentration und Frustrationstoleranz. Viele anderen Dinge bleiben dann auf der Strecke, wenn die Energie nicht mehr für den ganzen Tag ausreicht. Sie müssen daher entscheiden: was ist unverzichtbar und was weniger wichtig. Wo kann ich mich noch engagieren und wo ziehe ich mich zurück.

Schwerhörige Menschen haben grundsätzlich mit 2 Problemkreisen zu kämpfen:

  • Ihrer individuellen Hörstörung, die bei jedem und jeder anders ist
  • Mit einem eingeschränkten, bis nicht mehr vorhandenem Richtungshören

Die individuelle Hörstörung

Der allergrößte Teil der schwerhörigen Menschen haben eine Schallempfindungsschwerhörigkeit. Die Sinneszellen im Innenohr (Hörhaarzellen) funktionieren hier z.T. nicht mehr. Das bedeutet, dass bestimmte Tonhöhen ausfallen, während andere ganz normal zu hören sind. Der Höreindruck ist insgesamt dadurch verzerrt. Manche Worte werden problemlos verstanden, andere können erahnt werden und wieder andere sind nur aus dem Zusammenhang erschließbar, wenn überhaupt. Lauter zu sprechen hilft in diesem Prozess nichts. Im Gegenteil: In aller Regel sind schwerhörige Menschen sogar lärmempfindlicher als guthörende. Sie können zu laute oder zu leise Geräusche nicht mehr ausgleichen.

Hörgeräte helfen hierbei, indem sie die Frequenzen, die nicht mehr gehört werden können, soweit das noch möglich ist, verstärken. Das Verstehen verbessert sich damit in aller Regel deutlich. Doch nicht alle Hörhaarzellen lassen sich damit stimulieren, es bleibt immer auch eine (mehr oder weniger große) Einschränkung des Verstehens bestehen. Auch wenn moderne Hörgeräte heute sehr leistungsfähig sind und viele Möglichkeiten bieten, guthörend wird damit niemand. Daher sind schwerhörige Menschen immer auch auf andere Hilfen angewiesen.

Mundabsehen
Ca. 30% der Buchstaben lassen sich vom Mund absehen. Besonders begabte Menschen schaffen sogar noch mehr. Aber auch, wenn ein Drittel jetzt nicht viel erscheint, in Kombination mit dem noch Verstandenen können so Zusammenhänge deutlich werden, die helfen, den Rest des Satzes zu kombinieren. Mundabsehen lernen wir schon als Säuglinge, auch Guthörende schauen beim Sprechen in der Regel auf den Mund des Gegenübers. Wird jemand schwerhörig, dann wird das Mundabsehen weiter trainiert, meist ohne dass es der schwerhörige Mensch selbst merkt.

Daher ist es notwendig, schwerhörige Menschen immer direkt anzusehen. Dabei sollte der Mund des Sprechenden gut sichtbar sein. Also, weder bedeckt noch durch Gegenlicht verdunkelt. Auch sollte auf eine gute Beleuchtung des Mundes geachtet werden. „Mach das Licht an, ich höre nichts mehr“.

Langsam und deutlich sprechen
Damit der schwerhörige Mensch Zeit genug hat, die nicht verstandenen Worte und Inhalte zu rekonstruieren, ist ein langsames und deutliches Sprechen notwendig. Auch Pausen zwischen den Sätzen sind hilfreich. Keine Themenwechsel ohne Ankündigung: Ein schwerhöriger Mensch wird bei plötzlichen Themenwechseln erst einmal völlig aus der Bahn geworfen, weil er oft den Themenwechsel nicht mitbekommt und daher nicht mehr weiß, wovon die Rede ist. Daher sind Überleitungen notwendig oder auch die einfache Ankündigung „ich sage das nochmal anders“, „ich mache da mal ein Beispiel“ und ähnliches.

Keine (seltenen) Fremdwörter (nach Möglichkeit) verwenden
Ein schwerhöriger Mensch muss Worte, die er nicht verstanden hat, kombinieren. Aus dem Zusammenhang sucht er Worte, die zum Thema passen. Zunächst die naheliegenden, dann die, die etwas seltener sind und erst ganz zuletzt Worte, die wenig gebräuchlich sind. Das heißt, auch wenn er durchaus in der Lage ist, Fremdwörter zu verstehen, wenn er sie liest, braucht es immer sehr viel kostbare Zeit, bis er sie beim hören identifiziert hat. Zeit, in der das Gegenüber weiterredet und er u.U. den Anschluss verpasst.

Eine ruhige Umgebung aufsuchen
Zusätzliche Geräusche erschweren das Verstehen. Eine ruhige Ecke oder ein ruhiges Zimmer machen das Verstehen leichter.

Schwerhörige und ertaubte Menschen gelten oft als eigensinnig, eigenbrötlerisch, schwierig, langweilig oder anstrengend. Dieses Bild entsteht, weil die Ursachen ihrer Reaktionen und Verhaltensweisen oft nicht bekannt sind. So werden schwerhörige und ertaubte Menschen häufig in ungerechter, kränkender und diskriminierender Weise be- und verurteilt. Nicht selten fördert und verstärkt das gerade die Verhaltensweisen, die den Schwerhörigen vorgehalten werden.

Wer allerdings um die massiven psychischen Belastungen weiß, die mit einer Hörschädigung einhergehen, wird die Betroffenen, ihre Reaktionen und Verhaltensweisen besser verstehen und das eine oder andere Vorurteil abbauen können – und vielleicht erleichtert dies etwas das Miteinander von Guthörenden und Schwerhörigen bzw. Ertaubten.

Bei einer Hörschädigung werden akustische Reize – Umweltgeräusche, Signale und Sprache – nicht richtig oder gar nicht wahrgenommen. Das bedeutet, dass schwerhörige und ertaubte Menschen in jeder Situation beeinträchtigt sind, in der Geräusche, Töne, Laute eine Rolle spielen.

Fast jeder hat schon einmal davon gehört, Tausende haben es, keiner will es. Die Rede ist von Ohrgeräuschen, die außer dem selbst Betroffenen kein anderer hört. Einer Studie der Deutschen Tinnitus-Liga zufolge hat ein Viertel der Bevölkerung in Deutschland schon einmal Ohrgeräusche erlebt, mehr als die Hälfte dieser Menschen sogar über einen längeren Zeitraum. Und Jahr für Jahr kommen 340 000 Betroffene neu hinzu.

Für die These, dass Tinnitus immer die Folge einer Hörminderung ist, gibt es übrigens keinen Beleg: Fast die Hälfte aller Tinnitus-Betroffenen ist guthörend. Allerdings ist es umgekehrt dagegen tatsächlich so, dass die meisten schwerhörigen Menschen zusätzlich einen Tinnitus haben.

Fragen Sie Ihren Hörakustiker/ Ihre Hörankustikerin nach einem TV-Streamer. Damit wird der Ton des Fernsehens direkt auf die Hörsysteme übertragen, Nebengeräusche im Raum (Uhr, Spülmaschine, Autolärm draußen etc.) spielen dann keine Rolle mehr. Jeder Hörgerätehersteller hat dazu seine eigenen Geräte, die in der Übertragung mit seinen Hörgeräten zusammenpassen. Sie übertragen zwar in einer Bluetooth-ähnlichen Art, es handelt sich dabei allerdings nicht um Bluetooth (auch wenn manche Hörakustiker/innen dies vereinfachend sagen), denn Bluetooth hat eine zu lange Latenzzeit. Da würde der Erschossene umfallen, noch bevor Sie den Schuss hören 😊.

Zusätzlich können Sie im Öffentlich-Rechtlichen Fernsehen (ARD, ZDF etc.) zu fast allen Sendungen und Filmen Untertitel zum Mitlesen zuschalten. Wie Sie das machen können steht in der Bedienungsanleitung. In den Mediatheken finden Sie den Button normalerweise in der Fußzeile: Eine Sprechblase mit kleinen Pünktchen oder Strichen darin.

Der kompetente Fachbetrieb ist eine Elektroakustik-Firma, die die neue Anlage nach DIN EN 60118-4 planen und einmessen kann. Dies muss schon in der Ausschreibung für die Planung und für die Abnahme so gefordert werden.

Die Konfirmation der Nichte rückt immer näher? Oder Opas 80. Geburtstag?

Was in den meisten Menschen ein Gefühl der Vorfreude weckt, erleben schwerhörige Menschen eher zwiespältig: Einerseits ist da die Freude, mit anderen zusammen zu feiern, andererseits aber kann gerade hier die Einsamkeit und das Ausgeschlossensein besonders deutlich werden. Familienfeste sind und bleiben eine Herausforderung für schwerhörige Menschen. Wer mit übertrieben hohen Erwartungen hingeht, hat schon von vornherein verloren. Denn: Ein Patentrezept für eine glückliche Familienfeier gibt es nicht, auch keines für ein problemloses Verstehen. Neue Hörgeräte, die die Nebengeräusche ausfiltern helfen da nur bedingt, denn schließlich kann das Hörgerät nicht entscheiden, was Sie hören wollen und was „Nebengeräusch“ ist.

Dennoch haben wir zusammengetragen, worauf Sie achten sollten und welche Tricks dazu beitragen können, dass alles einigermaßen harmonisch und für alle erträglich ablaufen kann.

Eine Induktionsschleife arbeitet nach dem selben physikalischen Prinzip wie ein Transformator oder die hochmodernen kabellose Ladegeräte für Smartphones, elektrische Zahnbürsten etc., nur dass statt Strom für den Akku nun die Toninformation vom Sprechermikrofon übertragen wird.

An die schon vorhandene Beschallungsanlage wird ein Induktionsverstärker angeschlossen. Dieser speist das Tonsignal in eine Induktionsschleife ein. Dies ist ein ganz normaler Elektrodraht (Kupferquerschnitt 2,5mm² = etwa 3,4mm Durchmesser), der einmal rund um den zu versorgenden Bereich verlegt wird. Dies kann im Boden, meist aber oberhalb des Bodens, im Innenraum oder auch im Freien sein. In den meisten Kirchen könnte normalerweise ein Bereich von bis zu 20m x 50m (=1000m²) versorgt werden. In manchen Fällen sind ein besonderes Schleifen-Layout und besonders leistungsfähige Verstärker notwendig, z.B. wenn viel Baustahl vorhanden ist.

Diese Induktionsschleife erzeugt ein schwaches Magnetfeld (viel schwächer als das Erdmagnetfeld) mit den Toninformationen. Die T-Spule im Hörsystem nimmt dieses Magnetfeld auf und das Hörsystem verwandelt das enthaltene Tonsignal zurück in einen persönlich für die schwerhörige Person aufbereiteten Ton. Schwerhörige können somit den Ton direkt vom Sprechermikrofon ohne den Störschall hören.

Bis über beide Ohren – so funktioniert unser Gehör

Hören ist für viele von uns selbstverständlich. Es geht nebenher, ohne dass wir uns besonders anstrengen müssten. Unser Ohr schläft nie. Denn auch wenn wir uns nicht unterhalten, nicht einem Vortrag folgen, nicht Musik hören etc., das Ohr ist dennoch aufnahmebereit, denn es hat eine Alarmfunk on, die wir auch nachts benötigengen. Ansonsten könnten wir nicht einmal das Klingeln unseres Weckers hören, der uns auf den neuen Tag vorbereitet.

Aber Hören ist das eine, Verstehen das andere. Auch schwerhörige Menschen hören. Auch ihr Ohr schläft nicht. Was ihnen schwer fällt, ist das akustischesche Verstehen. Warum das so ist, wird deutlich, wenn wir uns den Aufbau und die Wirkungsweise unseres Gehörs deutlicher vor.
Augen führen.

Schwerhörigkeit ist äußerst selten ein Lautstärkeproblem, im Gegenteil: schwerhörige Menschen sind in der Regel lärmempfindlicher als guthörende. Hier können Sie das Fortschreiten einer Schwerhörigkeit mit Hochtonabfall erleben (mit Untertiteln).

Sie kennen sicher die Redewendung: „Ich verstehe nur Bahnhof“. Gemeint ist: ich höre zwar, was du sagst, erkenne aber den Sinn darin nicht.

Es kann aber auch bedeuten: ich verstehe akustisch nicht, was du sagst. So, wie auf dem Bahnhof, wo Durchsagen manchmal auch für Guthörende nicht verständlich sind. Dieses zweite, akustische Problem, haben schwerhörige Menschen. Sie hören zwar, verstehen aber nicht.

Zwei Problemkreise machen das Verstehen für schwerhörige Menschen schwer

Einmal ihre Schwerhörigkeit selbst. Da bestimmte Tonhöhen ausfallen, andere aber ganz normal gehört werden, kommt ein Gemisch von verstanden und nicht verstandenen Buchstaben und Lauten bei ihnen an. Sie sind darauf angewiesen, zu kombinieren, was gesagt wurde. Das ist anstrengend und Verhörfehler sind dabei unvermeidlich. 

Aber mit Schwerhörigkeit geht normalerweise auch der Verlust des Richtungshörens einher. In lauten Umgebungen, wenn mehrere Menschen gleichzeitig sprechen, oder in halligen Räumen kann zusätzlich nicht mehr unterschieden werden zwischen dem, was ich hören möchte und den Nebengeräuschen. Verstehen ist hier relativ schnell nicht mehr
möglich. Der schwerhörige Mensch ist „draußen“.

Grundsätzlich gibt es einige Möglichkeiten, die Entstehung von Hall im Raum zu reduzieren. Hall entsteht, wenn Schallwellen (Sprache/ Geräusche) von harten und glatten Flächen zurückgeworfen (reflektiert) werden. Um dies zu verhindern, müssen diese harten und glatten Flächen „weich“ gemacht werden, damit sie die Schallwellen „schlucken“. Dies ist nicht immer möglich, aber schon vergleichsweise kleine Maßnahmen helfen.

Für Kirchen oder große (Vortrags-) Räume wird dies allein aber in aller Regel nicht ausreichen. Hier ist eine Höranlage (normalerweise: Induktionsschleife) dennoch nötig.

Einfache Maßnahmen, um Hall zu reduzieren und zu vermeiden

  • Vorhänge und Wandteppiche „schlucken“ die Schallwellen und reduzieren den Hall. Auch Teppichböden wären dazu geeignet, sind allerdings in öffentlichen Gebäuden oft nicht erwünscht.
  • Tischdecken und Kissen auf nicht gepolsterten Stühlen helfen.
  • Gepolsterte Stühle reduzieren den entstehenden Hall sehr stark, vorausgesetzt sie sind an Sitzfläche und (!) Lehne gepolstert.
  • Klappernde Kaffeelöffel lassen sich einfach verhindern, indem ein Stückchen Stoff oder eine Serviette zwischen Untertasse und Tasse platziert wird.
  • Filzgleiter unter Tisch und Stuhlbeinen verhindern das Kratzen über den Boden.
  • Weiche Elemente an der Unterseite von Tischplatte und Stühlen verhindert die Reflexion des Halls, der vom Boden ausgeht.

Mobile Schall-Absorptions-Flächen

  • Bilder und Plakate können auf spezielle Hall reduzierende Elemente aufgebracht werden.
  • Es gibt Hall reduzierende Säulen, die als Info-Flächen eingesetzt werden können.
  • Hall reduzierende Stellwände können an Wänden oder als Raumteiler zwischen den Sitzgruppen platziert werden.

Bautechnische Maßnahmen

  • Hallreduzierender (offenporiger) Putz auf den Wänden oder fest installierte Schall-Absorptions-Platten.
  • Lochraster-Decke, aber darauf achten, dass unter den „Löchern“ ein Akustik-Vlies liegt, das den Hall schluckt.
  • Spezialelemente, die von der Decke abgehängt werden, können in hohen Räumen Hall minimieren.

Aber: Diese Maßnahmen gehören in die Hände von Bau- und Raumakustikern, besonders letztere, da dies auf den Raum bezogen individuell berechnet werden muss.

Im Idealfall setzen Sie ihr Hörgerät nach dem Aufstehen ein und legen es kurz vor dem Schlafengehen ab. Nur wenn Sie Ihr Hörgerät regelmäßig tragen, werden die bis dahin verlorenen Hörbilder wieder aufgebaut! (siehe: Warum überträgt mein Hörgerät so viele Nebengeräusche?)

Ein Hörgerät ist keine Brille, die ich aufsetze und gleich wieder besser sehe. Ein Hörgerät ist eher vergleichbar mit einem Beinbruch. Ist der Gips ab, müssen erst Muskeln wieder aufgebaut, Sehnen wieder geschmeidig werden. Das braucht seine Zeit. So ist es auch mit dem Hörgerät.

Induktionsschleifen sind aufwändig zu verlegen und dazu muss der Boden aufgerissen werden? Sehen Sie hier, wie eine temporäre Induktionsschleife innerhalb kurzer Zeit verlegt und eingemessen wird. Permanente (und unsichtbare) Schleifen sind übrigens auch nicht schwieriger.
Logo Induktive Höranlage

Diese offizielle Beschilderung weist auf das Vorhandensein einer Induktionsschleife hin. Zusätzlich sind oft im Gemeindebrief, im Schaukasten oder dem Internetauftritt der Kirchengemeinde Hinweise zu finden. Im Zweifelsfall einfach nachfragen oder das Hörgerät probeweise auf T-Spule stellen

Verstehen ist nicht immer gleich. Manche Situationen erschweren gutes Verstehen. Folgende Tipp können helfen:

  • Wer schwerhörig ist, schaut in der Regel wieder stärker auf die Mundbewegungen des Gegenübers. Daher achten Sie darauf bei der Wahl Ihres Sitzplatzes. Ein Platz, der Ihnen einen guten Blick auf den Mund des Sprechenden gewährt und an dem sie nicht geblendet werden, erleichtert Ihnen das Verstehen enorm.
  • Bitten Sie Ihr Gegenüber, aber auch Vortragende darum, langsamer zu sprechen. Die meisten Menschen sind dazu gerne bereit, vergessen es aber auch schnell wieder, weil sie es nicht gewöhnt sind. Wiederholen Sie daher Ihre Bitte ggf. von Zeit zu Zeit, aber freundlich. Der/die andere macht das nicht absichtlich, noch ist es gegen Sie gerichtet.
  • Suchen sie sich eine ruhige Umgebung, vermeiden Sie (z.B. im Restaurant) Plätze, die sich in der Nähe von Türen oder Theken befinden, vermeiden Sie Hintergrundmusik oder einen nebenher laufenden Fernseher. Bitten sie gegebenenfalls darum, dies abzustellen.
  • Schummrige Beleuchtung ist angenehm, aber sie erschwert Ihnen enorm Mundbild, Mimik und Gestik des Gegenübers richtig wahrzunehmen und erfordert daher sehr viel mehr Konzentration.
  • Überfordern Sie sich nicht. Das reine Verstehen braucht für schwerhörige Menschen viel Kraft und Konzentration. Daher teilen Sie sich ihre Kraft ein. Machen Sie ganz bewusst Pausen und tun sie sich selbst etwas Gutes zur Entspannung.

Downloads

An dieser Stelle finden Sie Informationen und Broschüren für Sie zum herunterladen und speichern. Für die Broschüren ist es nötig, beim Druckauftrag „Broschürendruck“ (o.Ä.) im Druckermenü anzuklicken.

Broschüren

Audiotherapie als Hilfe zur Integration spätschwerhöriger Menschen

Hören ist für die meisten Menschen selbstverständlich. Und doch ist unser Ohr immer im Einsatz, es schläft nicht. Das leise Rascheln einer Maus im Gras können wir ebenso hören wie den Überschallknall eines Flugzeuges. Unser Ohr bereitet uns Freude, wenn wir Musik hören und wir leiden, wenn vor dem Haus ein Presslufthammer beginnt.

Was es bedeutet, schwerhörig zu sein, entzieht sich einerseits unserer Erfahrungswelt, andererseits wird Schwerhörigkeit von vielen Menschen fälschlicherweise gleichgesetzt mit leiserem Hören, dem man mit lauterem Sprechen begegnen kann, – besser noch, ein Hörgerät übernimmt die Funktion der Verstärkung, so dass das Problem behoben scheint.

Facharbeit zur Abschlußprüfung zur Audiotherapeutin im Rahmen der Fort- und Weiterbildung  „Audiotherapie“ des Deutschen Schwerhörigenbundes DSB Landesverband Baden-Württemberg, vorgelegt von: Rosemarie Muth

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Den seit dem Kindes- und Jugendalter schwerhörigen Menschen fällt es in der Regel leicht zuzugeben, dass sie schwerhörig sind. „Ich bin schwerhörig, warum soll ich versuchen das zu verbergen?“ Sie tragen fast immer ihr Hörgerät oder ihren CI ganz offen, die Frauen oft mit Schmuckelementen, die Männer farbenfroh als Akzent ihrer Persönlichkeit. Und sie können nur schwer verstehen, warum andere (vor allem die Alten) sich da so zieren, es ist doch nichts dabei schwerhörig zu sein. Das Leben wäre doch für alle einfacher, wenn jeder und jede zu ihrer oder seiner Schwerhörigkeit stehen würde, oder? 16 Mio. Schwerhörige müssen doch auffallen. Sie sind immerhin die größte Gruppe von Menschen mit Beeinträchtigungen in Deutschland.

Auch den im Erwerbsalter schwerhörig Gewordenen fällt es oft leichter, ihre Schwerhörigkeit zu zeigen. Sie lässt sich ja eh nicht verbergen im Berufsleben, wo ein Tischmikro oder ein Spezialtelefon beantragt und benutzt werden muss. Auch die Familie und der Freundeskreis wissen sowieso von dem Schicksalsschlag, den der schwerhörige Mensch erlitten hat. Dennoch bevorzugen sie meist ein eher dezentes Hörgerät oder der CI ist unter den Haaren verborgen. „Ich brauche meine Schwerhörigkeit doch auch nicht jedem auf die Nase binden“. Viele outen sich aber dann, wenn es um Teilhabe und eine bessere Infrastruktur für Schwerhörige geht.

Wenn aber Schwerhörigkeit für Verfall steht und schambesetzt ist, wie das sehr häufig bei den im Rentenalter schwerhörig gewordenen Menschen ist, dann wird es ihnen extrem schwerfallen, die Schwerhörigkeit öffentlich zuzugeben. Das beginnt schon bei den Bezeichnungen: Hörbehinderung oder Hörschädigung geht gar nicht. Selbst das Wort Schwerhörigkeit wird gerne umgangen, eher heißt es: Ich höre nicht mehr so gut wie früher.

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Heutzutage verfügt fast jede Kirche und jedes öffentliche Gebäude über eine Beschallungsanlage, die es guthörenden Menschen erlaubt, relativ stressfrei eine Predigt oder einen Vortrag zu verstehen. Jedoch trifft dies auf einen immer größer werdenden Personenkreis nicht mehr zu: den schwerhörigen Menschen. Schätzungen zufolge sind dies heute schon ca. 30 bis 40 % der Gottesdienstbesucher*innen, Tendenz steigend!

In den Werbeprospekten der Hörgeräteindustrie wird immer wieder versprochen, moderne digitale Hörgeräte seien so perfekt, dass mit ihnen wieder ein natürliches Hören möglich sei. Daraus wird dann – fälschlicherweise – geschlossen, dass eine Höranlage nicht mehr notwendig sei, also veraltete Technik. Doch die Hörgeräteindustrie bestätigt selbst, dass ein Hörgerät alleine in vielen Situationen zum Verstehen nicht reicht, denn sie verkauft zahlreiche Zusatzgeräte wie z.B. TV-Streamer, weil selbst im relativ ruhigen Wohnzimmer noch nicht einmal auf ein paar Meter Abstand der Fernsehton anständig gehört werden kann. Wie soll dann in einer Kirche auf 10-20 Meter Abstand eine Predigt verstanden werden, mit all dem dort vorhandenen Hall, Echo und Störschall?

Fakt ist, dass noch nicht einmal die digitalen Highend-Spitzengeräte (Systempreis mehrere tausend Euro pro Gerät) systembedingt eine klare Sprachverständlichkeit bieten können, wenn der Sprecher mehr als 3m entfernt ist. (Nach öffentlicher Aussage einer hochrangigen Vertreterin eines namhaften Hörgeräteherstellers: schon in einer normalen Wohnung zwischen 1,50 und 0,30 m). Erst recht gilt dies für Mittelklasse- oder Basis-Hörgeräte. Und klar ist ja, wir dürfen die technischen Ausstattungen unserer Kirchen nicht allein an denen ausrichten, die sich diese Highend-Geräte finanziell leisten können. Daher soll diese Broschüre Möglichkeiten aufzeigen, wie Hörgeschädigten mit allen Typen von Hörgeräten das Verstehen in der Kirche erheblich erleichtert und stressfreier gemacht werden kann.

Grundlagen, Erklärungen, Orientierungshilfen und praktische Tipps für Kirchengemeinden und Veranstalter im öffentlichen Bereich.

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Barrierefreiheit im Behindertengleichstellungsgesetz bezieht sich auf den öffentlichen Raum und in gewissen Umfang auf den halböffentlichen Raum, wenngleich dies auch für Mietobjekte zu fordern ist. Jeder Mensch ob mit oder ohne Behinderung hat das Grundrecht auf Teilnahme und Teilhabe am gesellschaftlichen, kulturellen, politischen und religiösen Leben und er hat das Grundrecht auf Freizügigkeit. Das heißt, dass er bei offenen Veranstaltungen wie öffentliche Vorträge, Kino, Theater, politische Diskussionen, Gottesdienste etc. sich jederzeit ohne Anmeldung zur Teilnahme entscheiden kann und dann auch hören und verstehen kann.

Inklusion ist ohne Barrierefreiheit nicht denkbar. Inklusion besagt, dass Menschen mit Behinderung nicht selbst dafür zu sorgen haben, dass sie am gesellschaftlichen, kulturellen, politischen oder religiösen Leben teilnehmen und teilhaben können, sondern die Gesellschaft und damit auch alle Betreiber öffentlicher Einrichtungen (Stadthallen, Kinos, Theater, Kirchen etc.) in ihren Einrichtungen dafür zu sorgen haben, dass Menschen mit jeglicher Behinderung teilnehmen und teilhaben können und zwar so wie alle anderen auch: „in der allgemein üblichen Weise, ohne besondere Erschwernis und grundsätzlich ohne fremde Hilfe.“ Für Schwerhörige heißt das, dass bei solchen Veranstaltungsorten grundsätzlich dann, wenn eine Lautsprecheranlage benötigt wird, auch eine funktionierende barrierefreie Höranlage zur Verfügung stehen muss. Aber schon längst bevor eine Lautsprecheranlage nötig wird, ist oft schon eine Höranlage nötig, denn Schwerhörige haben schon Hörprobleme, wo Guthörende noch problemlos hören können.

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Höranlagen sind für schwerhörige Menschen notwendig, um zu verstehen, denn sie übertragen die Stimme des/der Sprecher:in vom Mikrofon direkt ins Hörsystem, ohne dass sich Störgeräusche einmischen oder die Verzerrungen der Lautsprecher sich auswirken. Höranlagen, insbesondere induktive, werden verstärkt in öffentliche Räume eingebaut, weil es die Vorschriften zum barrierefreien Bauen verlangen.

Es gibt verschiedene Höranlagentypen: analoge: Induktion, FM-Funk (863-865MHz), Infrarot sowie digitale: 2,4GHz-Funk, WLAN (2,4/5/6 GHz), DECT, Auracast (Bluetooth 2,4GHz). Analoge Anlagen arbeiten verzögerungsfrei (Latenz-frei). Digitale Anlagen haben systembedingt immer Verzögerungen von mindestens 15ms bis zu weit mehr als 200ms. Latenzen beeinträchtigen das wichtige Mundabsehen und damit die Sprachverständlichkeit und verursachen dadurch erhöhten Hörstress.

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