Beate Gärtner, Schwerhörigenseelsorgerin
Letzten Herbst habe ich wieder mit dem Stricken begonnen. Zuerst habe ich Strümpfe gestrickt. Erst ein Paar für mich, dann ein Paar für meinen Mann und schließlich – so langsam ging es nämlich auf Weihnachten zu – noch viele Paare für meine Kinder und die Familie. Während dieser Zeit habe ich gemerkt: Je öfter ich das machte, desto selbstverständlicher wurde es. Was anfangs noch ungewohnt war, ging mir schließlich in Fleisch und Blut über. Kurz vor Weihnachten hätte ich die Strümpfe dann wahrscheinlich im Schlaf stricken können. Dann begann ich mein nächstes Projekt. Einen Pullover für mich. In drei Farben und mit einem ziemlich komplizierten Norwegermuster. So sieht er im Moment aus: Für mich gab es zwei Probleme: Das erste: Ich hatte noch nie mit drei Farben gestrickt, sondern höchstens mit zwei Farben. Das zweite: Das Muster ist so aufgebaut, dass auf der rückwärtigen Seite immer wieder die Fäden eingestrickt werden müssen, damit sie nicht zu lang werden. Auch das hatte ich noch nie mit drei Fäden gemacht. Für mich war beides eine echte Herausforderung! Aber ich habe mich ihr gestellt, mir diverse Anleitungen auf Instagram angesehen, sie ausprobiert und wieder verworfen, neue angesehen und ausprobiert und dann die beste ausgewählt und eingeübt. Aber so manches Mal hat es trotzdem nicht funktioniert, und ich musste alles wieder aufrebbeln und war entsprechend frustriert. Und gerade jetzt bin ich bei einem Muster, bei dem alles, was ich bisher gemacht habe, gar nicht mehr funktioniert, und ich wieder von Neuem überlegen und üben muss. Aber warum erzähle ich euch das alles? Außer, dass ich beim Stricken mit meinen Hörgeräten sogar das leise Klackern der Stricknadeln höre, hat es mit meiner Hörschädigung ja eigentlich nichts zu tun!
Oder etwa doch? Ja, ich finde doch. Denn als Hörgeschädigte muss ich ähnliche Herausforderungen meistern! Mich nämlich mit meinen Hörgeräten oder CIs vertraut machen und alle ihre Programme und Möglichkeiten ausprobieren. Aber auch andere Hilfsmittel wie externe Mikrophone, Lichtblitzanlagen und TV-Adapter in den Blick nehmen, ausprobieren, auswählen und dann mit ihnen üben. Und auch: Meine falschen Muster aufrebbeln und mit neuen Muster stricken. Vor allem aber: Meine Frustration zielgerichtet und lösungsorientiert in positive Energie umwandeln in dem sicheren Wissen: Wenn ich jetzt durchhalte, wird am Ende etwas richtig Gutes dabei raus kommen! Bei mir ein schöner Pullover. Bei uns allen gutes Hören!
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