Sonnenblumenschnur

Rollstuhlfahrer und Menschen mit Hörbehinderung bei einer Informationsveranstaltung.
Hinweis auf inklusive Unterstützung für Menschen mit Behinderungen.

Beate Gärtner, Schwerhörigenseelsorgerin

Okay. Ich gebe es zu: Dass ich mich wohl irgendwo am Flughafen Kopenhagen mit Corona angesteckt habe, war natürlich nicht so toll. Aber da gab es auch noch was anderes, und das fand ich richtig klasse! Hier ist es: Was ihr da seht?! Einen Aufsteller. Gut platziert, so dass jeder, der durch die Passkontrolle will, an ihm vorbei kommt. Was auf ihm zu lesen ist – oben in Dänisch und darunter in Englisch – will ich euch kurz übersetzen.

Zuerst die Überschrift: „Nicht alle Behinderungen können gesehen werden. Einige sind unsichtbar.“ Als ich an dem Aufsteller vorbei gehe und die Überschrift lese, denke ich sofort: ‚Genau so ist das auch bei uns Schwerhörigen! Wer nicht genau hinschaut, der sieht unsere Hörbehinderung nicht!‘ Aber erst mal weiter im Aufsteller-Text: „Die Sonnenblumenschnur zeigt uns, dass du möglicherweise mehr Zeit, Geduld oder Hilfe benötigst. Bitte einfach in Terminal 3 um eine Sonnenblumenschnur. Wir geben sie mit Freude an alle aus, frag einfach nur.“ Ich bin begeistert! Endlich mal eine Institution, die proaktiv auf Behinderte zu geht! Und das auch noch mit leuchtenden Sonnenblumen!

Wie oft habe ich mir das schon gewünscht! In der Kirche, bei Behörden, am Bahnschalter und sogar beim Ohrenarzt. Dass es dort Menschen gibt, die mich als Hörgeschädigte mitdenken und von sich aus mit einem inklusiven Angebot auf mich zugehen. Hier nun – am Kopenhagener Flughafen – geht mein Wunsch in Erfüllung! „Komm!“ sage ich zu meinem Mann: „Lass uns mal schnell in Terminal 3 gehen! So eine Sonnenblumenschnur will ich haben!“ Er guckt auf die Uhr. „Das geht nicht“, antwortet er. „Dann verpassen wir unseren Flug.  Wir müssen weiter“. ‚Mmh. Wie schade!‘ denke ich. ‚Dabei hätte ich euch die Schnur so gerne gezeigt. In diesem Ermunterungstext vielleicht. Aber so wird das wohl nichts.‘ Ich bin schon im Weitergehen. Da drehe ich noch mal um, stelle mich direkt vor den Aufsteller und mache ein Foto von ihm. Weil ich seine Botschaft so gut finde. Mindestens genauso gut, wie die gute Botschaft aus der Bibel: Sie sieht mich und stärkt mich, sie richtet mich auf und macht mich froh. Sie schenkt mir außerdem noch ein Bild von Sommer und Sonne. Und dieses Bild seht ihr jetzt auch, wenn ihr noch mal auf das Foto von dem Aufsteller guckt.

PS:
Ich habe meiner Schwägerin von dieser Sonnenblumenschnur erzählt, und die hat im Internet recherchiert und dabei folgendes herausgefunden: Die Sonnenblume (nschnur) wurde erstmals 2016 am Flughafen London-Gatwick eingeführt. Sie ist ein international anerkanntes Zeichen für nicht sichtbare Beeinträchtigungen. Am Flughafen Hamburg gibt es sie seit 2024.

PPS: (Anm. d. Red.)
Auf der Internetseite der weltweit organisierten ‘Hidden Disabilities Sunflower’ Bewegung finden Sie weitere Informationen

Bildnachweise

© Privat

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