Wie die Heilige Oranna Namensgeberin für das OHRanna-Café wurde …

Alte Kirche im Grünen mit Bäumen und gepflegtem Garten, ruhige Atmosphäre.
Orannakapelle

Buch von Annette Leonhardt

An einem sonnigen Winterwochenende war ich mit meiner Familie auf einer unserer schönen saarländischen Wanderrouten unterwegs: Dem „Alten Grenzweg“ zwischen dem Landkreis Saarlouis und Lothringen, der im Zeichen der deutsch-französischen Freundschaft steht. Der Weg startet in Berus beim Europadenkmal, das den Gründern der Europäischen Gemeinschaft gewidmet ist, und führt vorbei an der hübschen Wallfahrtskapelle der Heiligen Oranna, bevor er nach wenigen hundert Metern über die Grenze nach Lothringen führt. An der Kapelle erfährt man einiges über das Leben und Wirken dieser Heiligen, um die sich viele Erzählungen und Mythen ranken. Der Überlieferung nach kam Oranna im 7. Jahrhundert als Missionarin aus dem irisch-schottischen Raum an die Saar und hat sich um die Verbreitung des christlichen Glaubens und um die Menschen verdient gemacht. Selbst von Schwerhörigkeit betroffen wurde sie wie durch ein Wunder geheilt. Auch die Heilung eines tauben Jägers wird ihr zugesprochen. Und so gilt die Heilige Oranna bis heute als Schutzpatronin unserer deutsch-französischen Region und der Menschen mit Ohrleiden. Und hier schließt sich der Kreis! Oranna ist auch die Namensgeberin für ein besonderes Angebot der Evangelischen Schwerhörigenseelsorge in Deutschland e.V. (ESiD), das wir regelmäßig als SchriftdolmetscherInnen begleiten dürfen – das Gesprächscafé OHRanna. Und so entstand die Idee, mit einer der InitiatorInnen zu sprechen, Kerstin Lechner von der Evangelischen Schwerhörigenseelsorge in Sachsen.

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Liebe Frau Lechner, was genau verbirgt sich hinter dem Gesprächscafé OHRanna?

Das Gesprächscafé OHRanna ist wie Ihr Lieblingscafé in der Stadt: es lädt zum Gespräch bei einer Tasse Kaffee, Tee oder einem anderen Lieblingsgetränk ein.

Wie ist die Idee entstanden?

Entstanden ist die Idee während der Lockdown-Zeit. Alle Cafés waren geschlossen, die Menschen blieben zu Hause und hatten keine Möglichkeit mehr zum Besuch im Café oder für die kleine Plauderei beim Einkauf. Aber diese kleinen Gespräche sind wichtig, und ohne sie wird das Gefühl der Einsamkeit immer stärker. Das haben besonders die schwerhörigen Menschen gespürt: Das kleine Gespräch zwischendurch ist mit Maske auf Mund und Nase nicht möglich, denn die Maske vermindert die Lautstärke des gesprochenen Wortes und macht das Ablesen vom Mund unmöglich. Deshalb hatten wir – einige SchwerhörigenseelsorgerInnen aus der ESiD in einem kleinen Fachausschuss – die Idee, einen Raum zu öffnen, in dem das Gespräch bzw. die kleine Plauderei online möglich ist.

Wie kam es zur Namensgebung?

Bei der Namensgebung sind wir auch online fündig geworden. Wir haben die Stichworte „Ohr“ und „heilig“ bei der Internetsuche eingegeben und sind so auf die Heilige Oranna aufmerksam geworden. Sie erschien uns als Frau, die selbst eine Schwerhörigkeit hatte und trotzdem ihren Mut und Glauben nicht verlor, eine gute Namensgeberin zu sein.

Was ist aus Ihrer Sicht das Besondere an diesem Format?

Zwei Dinge machen dieses Format besonders. Einerseits die Möglichkeit mitzulesen – es sind immer SchriftdolmetscherInnen dabei, die das gesprochene Wort lesbar und sichtbar machen. Andererseits die Gesprächsatmosphäre – alle Teilnehmenden sind sehr daran interessiert, dass jede und jeder verstehen kann, und begegnen einander mit Respekt und Rücksichtnahme. Hinzu kommt noch: wir haben zwar immer einen Gesprächsimpuls für die Einladung und den Start des Gespräches – ein Gedicht, ein Bild, eine Liedstrophe, eine Biographie, eine Redensart – aber jeder kann auch von sich aus ein Thema ansprechen, über das wir dann gemeinsam nachdenken und reden können. So haben wir schon spannende Gespräche über „Gott und die Welt“ geführt.

Wie kann man bei O(h)ranna dabei sein?

Wer gerne am OHRanna-Café teilnehmen möchte, der kann sich bei der Schwerhörigenseelsorge melden (siehe Kontaktformular). Er oder sie bekommt dann die Einladung mit einem Link zugeschickt und kann sich dann einfach dazu schalten. Den Kaffee oder Tee nicht vergessen und griffbereit neben den Laptop stellen!

Ist Ihnen ein ganz besonderer Moment aus einem Café in Erinnerung?

Besonders berührend sind für mich immer die Momente, wenn die Teilnehmenden aus ihrem Leben erzählen, was sie für schwierige Lebenssituationen erlebt und bewältigt haben, oder was für komische Momente sie zum Lachen gebracht haben. Bei einem OHRanna-Café nahm die Älteste von unseren TeilnehmerInnen ihren Laptop mit in ihr Wohnzimmer und zeigte uns ihre Weihnachtskrippe und erzählte dabei von Weihnachten in ihrer Kindheit und wie sie zu dieser Krippe gekommen war. Das war ein Gänsehaut-Moment!

Liebe Frau Lechner, vielen Dank für den Einblick in Ihre Arbeit.

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Die Angebote der ESiD zeigen, wie Menschen mit Hörbeeinträchtigung auch online teilhaben und wie digitale Barrieren abgebaut werden können.

Die besondere Atmosphäre bei Ihren Veranstaltungen ist auch für uns DolmetscherInnen immer spürbar, und so freuen wir uns auf das nächste O(h)ranna-Café.

Bildnachweise

© Von Lokilech – own work with Dieses Panoramabild wurde mit Autostitch erstellt (Motiv kann durch das Stiching verzerrt sein)., CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=2048213

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