Richtungshören bei Schwerhörigkeit

So hören gut hörende Menschen
So hören gut hörende Menschen
So hören schwerhörige Menschen
So hören schwerhörige Menschen

Schon als Kinder lernen wir, vorausgesetzt wir sind guthörend, dass sich Geräusche unterschiedlich anhören, je nachdem, aus welcher Richtung sie kommen, oder wie weit sie jeweils weg sind. Von oben hört sich ein Geräusch anders an als von links, vom hinten anders als von rechts vorne. So wird unser Richtungshören schon sehr früh im Leben ausgebildet. Das hilft uns, uns in unserem Umfeld zurechtzufinden. Es hilft uns aber auch, unwichtige Geräusche von wichtigen zu trennen. Unwichtige Geräusche sind z.B. das Brummen des Kühlschranks, der Verkehr außerhalb der Wohnung, aber auch das, was als Hall noch einmal zu uns zurückkommt. Das Unwichtige kann weg, sagt unser Gehirn und filtert das aus.

Daher können guthörende Menschen auch dann noch ihr Gegenüber verstehen, wenn der Lärmpegel um sie herum fast doppelt so laut ist. Das Gehirn verstärkt das, was aus der Richtung kommt, die wir hören wollen und reduziert das, was aus den anderen Richtungen kommt (Cocktailparty-Effekt). Dazu braucht das Gehirn aber natürlich die Information, was aus welcher Richtung kommt.

Das Richtungshören läuft aber vor allem über die hohen Frequenzen, also die, die von den allermeisten Schwerhörigen nicht mehr gehört werden. Daher können schwerhörige Menschen nicht mehr unterscheiden zwischen dem, was sie hören möchten und dem Störschall, da das Gehirn nicht mehr die Information erhält, was aus welcher Richtung kommt. Es weiß nicht mehr was lauter und was leiser gemacht werden muss. Und hier haben wir das Problem für schwerhörigen Menschen. Ihr Richtungshören ist extrem eingeschränkt bis nicht mehr vorhanden. Für sie hört sich alles an, als käme es aus der gleichen Richtung. Besonders fatal wirkt sich dies in geräuschvollen Umgebungen aus und in Räumen mit viel Hall. An ein Verstehen ist hier oftmals nicht mehr zu denken.

Und – ein eingeschränktes Richtungshören zeigt sich meist schon lange, bevor eine Schwerhörigkeit diagnostiziert wird. Denn als schwerhörig wird ein Mensch nur dann bezeichnet, wenn sein Hauptsprachbereich betroffen ist. Betrifft die Einschränkung aber nur die Frequenzen jenseits von 10.000 Hz, dann ist zwar das Richtungshören sehr erschwert, es besteht aber (noch) keine behandlungsbedürftige Schwerhörigkeit. Die Probleme im Störschall sind aber dieselben, wie bei (schon) Schwerhörigen. Was hilft?

Höranlagen
Sie sorgen für eine Trennung von dem, was wir hören wollen und den Nebengeräuschen und dem Hall: Indem Höranlagen nur das übertragen, was direkt ins Mikrofon kommt, sorgen sie dafür, dass die sonstige Raumakustik außen vor bleibt. Das Mikrofon verstärkt das, was gehört werden soll, die restlichen Geräusche sind, je nach Mikrofon-Typ nur noch leise im Hintergrund zu hören. Analoge Übertragungen sind dabei digitalen grundsätzlich vorzuziehen, da sie keine Latenz (Zeitverzögerung) haben. Diese stört das Mundabsehen empfindlich und bringt den Hall, den wir durch die Höranlage ja ausschließen wollten, ein Stück weit wieder zurück. Der Hörstress nimmt mit Latenz signifikant zu (mehr Informationen unter: Das unterschätzte Problem der Latenz).

Raumakustik
Nicht in jedem Raum ist eine Höranlage sinnvoll. Dort, wo Gespräche nebeneinander laufen, z.B. bei einem geselligen Beisammensein, bringt eine Höranlage nur dann etwas, wenn sie direkt am Tisch genutzt wird. Abgesehen davon, dass sie vorhanden sein muss, müssten dann auch alle schwerhörigen Menschen am gleichen Tisch sitzen. Der Ghettoisierung ist damit Tür und Tor geöffnet. Wirksamer sind grundsätzliche Hall-reduzierende Maßnahmen wie z.B. Akustik-Decken, Teppichböden, Vorhänge, gepolsterte Stühle, etc. Aber auch mobile Hall-reduzierende Elemente sind hilfreich, die temporär aufgestellt werden können, um ruhigere Nischen um die Tische zu schaffen.

Verschriftlichung
Alles, was gelesen werden kann, muss nicht mühsam rekonstruiert werden. Verschriftlichte Inhalte helfen schwerhörigen Menschen zu verstehen. Dabei reicht für einen leichtgradig Schwerhörigen u.U. schon der Aufbau der Predigt oder Stichworte auf einer Power-Point-Präsentation. Noch besser sind ausgeschriebene Texte, z.B. wenn die Predigt/ der Vortrag eh auf dem Computer vorliegt, dann kann sie auch (in ausreichender Schriftgröße) an die Wand projiziert werden. Selbst eine ausgedruckte Predigt hilft schon weiter. Allerdings muss sich der schwerhörige Mensch dazu outen, was vielen, vor allem den allermeisten älteren Menschen, sehr schwerfällt. Bei größeren Veranstaltungen oder bei Kasualgesprächen mit hochgradig schwerhörigen Menschen kann der Einsatz von Schriftdolmetscherinnen oder Schriftdolmetschern zielführend sein.

Schwerhörigenseelsorge

Ca. 16 Millionen Menschen in Deutschland sind schwerhörig, also rund jede 5. Person. Das reicht von leichtgradig schwerhörig über eine mittelgradige Schwerhörigkeit bis hin zur völligen Ertaubung. Allen diesen Menschen gemeinsam ist, dass sie fast ausschließlich lautsprachlich kommunizieren. Die Gebärdensprache gehörloser Menschen ist ihnen fremd.

Wir haben viele Antworten für Sie gesammelt und stellen Ihnen diese Informationen auf unserer Website zur Verfügung.