Höranlagen haben die Aufgabe, das, was für Guthörende über die Lautsprecher übertragen wird, auf einen vom Störschall unbeeinflussten Weg in die Hörgeräte bzw. die Ohren der schwerhörigen Menschen zu bringen. Das heißt, sie übertragen direkt vom Mikrofon in die Hörsysteme.
Schwerhörige Menschen können aufgrund ihres mangelnden Richtungshörens Hall und Echo, von anderen verursachten Lärm (Laufgeräusche, knarzende Bänke, Husten etc.) nicht ausfiltern. Für die allermeisten Schwerhörigen sind selbst modernste Lautsprecheranlagen keine Hilfe, da auch sie Hall und Echo erzeugen und zwar umso stärker, je mehr Lautsprecher vorhanden sind. Der Störschall aus Publikum, Gebäudetechnik (Beamer, Lüftung, Heizung …) und Umwelt (Verkehrslärm, spielende Kinder etc.) kommt noch erschwerend dazu.
Hörgeräte können hier mit guten Richtmikrofonen zwar im Nahbereich helfen. Bei sehr guten akustischen Verhältnissen kann das bis zu 3 m weit funktionieren. In hallenden Räumen verringert sich dieser Abstand jedoch drastisch. Und auch Hörgeräte aus dem Premiumsegment sind hier nicht besser als Basisgeräte, denn auch sie unterliegen physikalischen Gesetzen, die sie nicht ändern können (Hallradius).
In Situationen mit Störschall ist es daher nötig, das, was das Gehirn bei guthörenden Menschen automatisch macht, nun technisch zu lösen. Es muss also der Störschall reduziert werden, damit nur der Nutzschall deutlicher gehört wird. Das gelingt, wenn nur das, was ins Mikrofon gesprochen wird, direkt aufs Hörgerät übertragen wird (oder Plan B: über einen Kopfhörer direkt ins Ohr), während die Störgeräusche weitgehend ausgeschaltet werden. Genau das geschieht durch eine Höranlage.
Typen von Höranlagen-Techniken
Analoge Technik
Sie arbeitet verzögerungsfrei (latenzfrei) (Induktionsschleifen/ FM und Infrarot Anlagen)
Digitale Technik
Sie arbeitet vom System her immer mit Zeitverzögerung (latenzbehaftet) (WLAN/WiFi-Streamer/ Bluetooth/ Auracast/ 2,4 GHz Technik, DECT). Die Latenz hängt von der Übertragungstechnik der Anlage und der Empfangstechnik im Hörsystem ab. Sie liegt etwa zwischen 20ms bis zu etwa 300ms über den gesamten Übertragungsweg. Das entspricht der Dauer eines kurzen Lautes bis hin zu einem ganzen Wort. Zur Problematik der Latenz finden Sie hier Informationen.
Es gibt verschiedene Zweckbestimmungen der Anlagen. Deshalb unterscheiden sich die genutzten Techniken auch hinsichtlich Mobilität, Transportabilität, Mehrkanal-Fähigkeit, Abhörsicherheit, Kompatibilität mit Hörsystemen, Stereo-Fähigkeit, Benutzerfreundlichkeit, Barrierefreiheit u.s.w. Mobilität, Transportabilität und Mehrkanal-Fähigkeit sind Kriterien für Personenführungsanalagen und Konferenzanlagen, Stereo-Fähigkeit eher für Musikgenuss im privaten Umfeld, während Benutzerfreundlichkeit und Barrierefreiheit unabdingbare Voraussetzungen für Höranlagen im öffentlichen Bereich sind.
Ergänzendes finden Sie dazu im Kompendium Höranlagen (im Downloadbereich)
Ca. 20 % aller Menschen in Deutschland sind hörgeschädigt. Durch die im Alter zunehmende Schwerhörigkeit können wir davon ausgehen, dass 30-40 % der Kirchgänger/innen und vermutlich ein ähnlich hoher Prozentsatz von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern unserer Kirchengemeinden schwerhörig sind. Gerade Menschen im fortgeschrittenen Alter fällt es aber in der Regel extrem schwer, ihre Schwerhörigkeit publik zu machen.
Viele ziehen sich mit fortschreitender Schwerhörigkeit aus der Gemeinde zurück, weil sie die Predigt nicht mehr verstehen, weil sie Diskussionen und Vorträgen nicht mehr folgen können, weil sie sich ausgeschlossen fühlen.
Für diese Menschen sind Höranlagen eine Voraussetzung, um weiter am Gemeindeleben aktiv teilnehmen zu können.